Oberbau
Englisch: permanent way
Gleis und Schotterbett einer Eisenbahnstrecke.
Oberbau: Grundlage und Schienen der Eisenbahn
Der Oberbau ist die gesamte Gleisanlage einer Eisenbahn und besteht aus Schienen, Schwellen, Schotter und Unterbau, die zusammen den Bahnkörper bilden. Der Begriff unterscheidet diese feste Infrastruktur vom rollenden Material (Züge und Wagen), das darauf fährt. In moderner Verwendung bezieht sich "Oberbau" oft speziell auf die Gleiskonstruktion selbst, historisch umfasste er jedoch die gesamte vorbereitete Trasse.
Die Schotterdecke, üblicherweise aus Schotter oder Kies in einer Tiefe von 150 bis 300 mm, liegt direkt unter den Schwellen und erfüllt mehrere Funktionen: Sie verteilt die Radlasten auf den Untergrund, ermöglicht die Entwässerung und erlaubt die Gleisverstellung und Wartung. Stahl- oder Holzschwellen sind etwa 600 mm voneinander entfernt angeordnet und halten die beiden Schienen in Spurweite (der Abstand zwischen ihnen). Die Regelspurweite beträgt in den meisten Ländern 1435 mm; Schmalspur mit 1000 mm oder 762 mm kommt bei Bergbahnen oder Werksbahnen vor.
Der moderne Oberbau verwendet durchgehend verschweißte Schienen in Längen von 200 m oder mehr, verbunden mit Stoßplatten oder stumpf aneinander geschweißt, um Stöße zu minimieren, die Verschleiß und Lärmbelastung verursachen. Ältere Strecken haben geteilte Schienen in 12 m Längen, verbunden durch verschraubte Stoßplatten. Das Schienengewicht bei Hauptstrecken liegt üblicherweise zwischen 50 und 60 kg pro Meter; Nebenbahnen können 40 kg/m oder leichter sein. Betonschwellen haben Holzschwellen auf hochbelasteten Strecken weitgehend ersetzt, da sie widerstandsfähiger gegen Verfall sind und die Spurweite beständiger halten, obwohl Holz auf Nebenstrecken noch verbreitet ist.
Wartung und Verschleiß
Der Oberbau erfordert regelmäßiges Stopfen, um Schwellen zu setzen, wenn der Schotter unter der Radlast verdichtet, und periodisches Schottertausch, wenn der Stein bricht und verlagert. Das Gleis kann Schäden entwickeln wie Wellenfressern (ein Wellenmuster auf der Schienenkopffläche durch zyklische Beanspruchung), Spurerwerbung durch Seitenkräfte und Schalenschlag, bei dem Oberflächenermüdung Stahl absplittert. Gleisver- drehung, wenn eine Schiene höher liegt als die andere, entsteht bei ungleichmäßiger Untergrund- setzung.
Der Begriff "Oberbau" spiegelt den Gegensatz zu Straßenbahnen und Leichtbahnen des 19. Jahrhunderts wider, die provisorische Konstruktionen nutzten. Ein gut instand gehaltener Oberbau auf einer Hauptstrecke kann 30 bis 40 Jahre halten, bevor eine umfassende Erneuerung nötig wird, obwohl einzelne Komponenten bei Ausfall ausgetauscht werden. Aufwand und Komplexität von Oberbauarbeiten, besonders im Bereich der Hauptbahnen, sind der Grund, warum Eisenbahnen spezialisierte Gleistrupps und maschinelle Wartungsausrüstung einsetzen.