Nebenstellenanlage
Englisch: private branch exchange
Eine Telekommunikationsvermittlungsanlage, die sich am Ort des Kundenbetriebs befindet und interne Kommunikation zwischen Benutzern sowie Zugang zu Fernleitungen ermöglicht.
PBX: die eigene Telefonanlage Ihres Unternehmens
Eine Nebenstellenanlage ist ein firmeninternes Telefon-Vermittlungssystem, das Anrufe zwischen internen Durchwahlnummern leitet und Verbindungen zum öffentlichen Telefonnetz verwaltet. Im Gegensatz zu einer öffentlichen Vermittlung eines Netzbetreibers steht die PBX bei Ihnen vor Ort, typischerweise in einem eigenen Technikraum, und bedient nur Ihre Organisation. Sie ersparen sich einzelne Leitungen vom Telefonprovider zu jedem Schreibtisch; stattdessen verbinden wenige Amtsleitungen die PBX mit dem Außennetz, und interne Verdrahtung verteilt sich auf Dutzende oder Hunderte von Handgeräten.
Die Kernfunktion ist die Anrufweiterleitung. Wenn Sie eine Durchwahlnummer wählen, verbindet die Vermittlungsmatrix der PBX Ihr Handgerät mit einer anderen internen Leitung. Wenn Sie eine Nummer wählen, die mit 9 oder einem anderen definierten Präfix beginnt, sperrt das System eine freie Amtsleitung und sendet Ihre gewählten Ziffern über diese Leitung zum öffentlichen Netz. Die PBX verwaltet eine Übersetzungstabelle: Zuordnungen, welche Durchwahlnummern zu welchen Abteilungen gehören, welche Amtsleitungen welche Verkehrsarten tragen, welche Anrufe blockiert oder weitergeleitet werden. Historisch war diese Logik in elektromechanischen Schrittschaltern oder Kreuzschienenöffnern untergebracht; moderne PBX-Systeme nutzen speicherprogrammgesteuerte Kontrolle auf Computerbasis.
Varianten und Konfigurationen
Ein wichtiger Unterschied liegt zwischen leitungsvermittelter PBX (der klassischen Art) und IP-gestützten Systemen. Leitungsvermittelte PBX-Anlagen wie Nebenstellenanlagen oder größere Systeme von Herstellern wie Nortel, Avaya oder Siemens schaffen dedizierte Sprachverbindungen über verdrillte Kupferkabel. IP-PBX-Systeme (auch VoIP-Vermittlungen genannt) konvertieren Sprache in Paketdaten und leiten sie über Ethernet; sie integrieren sich besser mit Datennetzen und verzichten auf separate Sprachleitungen, erfordern aber höhere Netzwerkzuverlässigkeit. Ein hybrider Ansatz ist verbreitet: Ältere leitungsvermittelte Systeme dominieren noch große Unternehmen, während kleinere Firmen zunehmend IP-PBX-Appliances einsetzen.
Amtsleitungen gibt es in verschiedenen Ausführungen. Analoge Leitungen sind einfache Sprachleitungen, ein Anruf pro Leitung. Digitale Leitungen, typischerweise T1 (mit 24 Sprachkanälen) oder ISDN, bündeln mehrere Anrufe in einer physischen Schaltung und übertragen Signalisierungsinformationen, die der PBX anzeigen, ob der Partner besetzt, verbunden oder aufgelegt hat. Die PBX entscheidet anhand von Tabellen für kostengünstige Weiterleitung oder zielbasierte Regeln, welche Leitung für ausgehende Anrufe zu nutzen ist. Funktionscodes, Durchwahlnummern und Anrufweiterleitungsregeln sind in der Systemdatenbank programmiert, die entweder in der PBX selbst oder in einem zugeordneten Server liegt.
Häufige Probleme sind Leitungsengpässe (zu viele Mitarbeiter rufen gleichzeitig an und keine freien Leitungen), schlechte Sprachqualität (meist durch unzureichende Netzwerkbandbreite in IP-Systemen) und Konfigurationsdrift (Geschäftseinheiten ändern sich, aber die PBX-Übersetzungstabellen werden nicht aktualisiert). Die Wartung erfordert jemanden mit Zugriff auf die Verwaltungsschnittstelle der PBX, sei es eine fest verdrahtete Konsole, ein Web-Portal oder ein proprietäres Softwaretool. Viele Organisationen lagern das PBX-Hosting bei einem Netzbetreiber oder Managed-Services-Provider aus, in diesem Fall steht die Anlage in einem Rechenzentrum statt vor Ort, aber das Prinzip bleibt gleich: eine private Vermittlungsanlage, die Ihnen oder Ihrem Dienstleister gehört und zwischen Ihren Benutzern und dem öffentlichen Telefonnetz sitzt.