Rückwärtsgang
Englisch: reverse gear
Ein Getriebezustand im Fahrzeugtriebwerk, bei dessen Wahl sich das Fahrzeug rückwärts bewegt; gekennzeichnet mit dem Symbol R auf der Schalthebelbeschriftung
Rückwärtsgang: Rückwärtsfahrt unter Motor
Der Rückwärtsgang ist eine Getriebestellung, die die Drehrichtung der Ausgangswelle gegenüber der Motordrehung umkehrt und das Fahrzeug rückwärts bewegt. In Schaltgetrieben ist es typischerweise ein Losrad, das zwischen Hauptwelle und Vorgelegewelle verzahnt ist, oder ein separates Zahnradpaar, das den Drehsinn umkehrt. In Automatgetrieben werden Planetenradsätze und Kupplungspakete hydraulisch umgeschaltet, um Rückwärtsfahrt zu erzeugen. Das Symbol R erscheint auf Schaltgattern und Displays, um diese Position anzuzeigen.
Die mechanische Wirkungsweise unterscheidet sich je nach Getriebetyp. Manuelle Rückwärtsgänge nutzen oft einen Schiebegang oder Gabelschalter, um ein dediciertes Losrad einzukuppeln; dieses Losrad verzahnt nicht während der Vorwärtsfahrt, weshalb Rückwärts oft eine Pause oder bewusste Aktion zum Einschalten erfordert. Automatgetriebe erreichen die Umkehrung durch hydraulischen Druckfluss, ohne physisches Zahnradschieben. Bei Elektrofahrzeugen wird Rückwärts durch Umkehrung der Motorstromrichtung oder des Drehsinns erreicht und erfordert gar kein mechanisches Zahnrad.
Übersetzungsverhältnisse im Rückwärtsgang sind zahlenmäßig dem ersten Gang ähnlich, von 3,5:1 bis 4,5:1 bei Personenkraftwagen, was ausreichende Drehmomentvervielfachung für die Bewegung schwerer Lasten bei niedriger Geschwindigkeit bietet. Lastkraftwagen und Nutzfahrzeuge können tiefere Rückwärtsverhältnisse haben, um beim Anhängerverkehr und beim Manövrieren auf engem Raum zu helfen. Das Verhältnis ist einmal konstruiert unveränderlich; es gibt keine Verstellung im Betrieb.
Schäden beim Einkuppeln sind häufig, wenn Fahrer den Rückwärtsgang wählen, während das Fahrzeug noch vorwärts fährt, oder wenn sie ihn bei hoher Leerlaufdrehzahl hart einschalten. Das führt dazu, dass Zahnflanken aufschlagen und vorzeitig abnutzen, und kann Zahnspitzen brechen oder Synchronringe in synchronisierten Getrieben abscheren. Das richtige Vorgehen erfordert, dass das Fahrzeug vollständig steht, bevor Rückwärts eingelegt wird, und sanfte Gasabgabe nach dem Einkuppeln.
Das Rückwärtslosrad in manuellen Getrieben dreht typischerweise auf einer feststehenden Welle senkrecht zu Haupt- und Vorgelegewelle, und seine Zähne greifen in die Zahnräder beider Wellen. Der Verschleiß an diesem einzelnen Kontaktpunkt sammelt sich an; ein verschlissenes Losrad ermöglicht es dem angetriebenen Zahnrad, sich seitlich zu verschieben, was Geräusche und möglichen Ausfall verursacht. Der Austausch erfordert teilweises Auseinandernehmen des Getriebes, ist aber ein standardmäßiges Reparaturverfahren.
Rückwärtsgang wird auch strategisch bei schweren Maschinen und Gabelstaplern eingesetzt, um den effektiven Arbeitsbereich zu vergrößern, ohne das Fahrzeug zu drehen. Bei Gabelstaplern bietet Rückwärts einen unabhängigen Kraftfluss, und es gibt Nur-Rückwärts-Fahrzeuge für spezielle Lasthandhabung. Die Bezeichnung bezieht sich auf die Richtung: das Zahnrad selbst bewegt sich nicht rückwärts, sondern verursacht, dass das Fahrzeug das tut.