Unterlageholz
Englisch: rootstock
Eine gesunde und kräftig bewurzelte Pflanze, die beim Veredeln verwendet wird, meist als sichere Grundlage für einen Edelreis mit erwünschten Früchten im Obstbau.
Unterlag: der unterirdische Partner bei jedem Veredelung
Eine Unterlag ist eine bewurzelte Pflanze, meist ein Sämling oder eine Steckling, die als unterer Teil eines veredelten Baums dient. Ihre Aufgabe ist einfach: den Baum verankern, ihn ernähren und gesund halten. Das Edelreis, das auf diese Unterlag gepfropft wird, bringt das hervor, was man eigentlich haben will, also die Früchte oder Blüten. In kommerziellen Obstanlagen wird die Unterlag nicht nach dem ausgesucht, was sie selbst wächst, sondern danach, was sie dem Edelreis ermöglicht.
Die Wahl der Unterlag bestimmt vieles, was im Obstgarten passiert. Verschiedene Unterlagen verleihen dem veredelten Baum unterschiedliche Eigenschaften: Zwergwuchs, Krankheitsresistenz, Frostfestigkeit oder Bodentoleranz. Ein Standard-Apfelsämling erzieht einen vollständig großen Baum von über 7,5 Metern; die Schwächungsunterlag M.26 hält die gleiche Apfelsorte auf 2,5 bis 3 Meter. Birnunterlagen wie Quitte A oder die OHxF-Serie verändern die Wuchskraft und beeinflussen die Verträglichkeit mit dem Edelreis. Die Wuchskraft und Krankheitsresistenz der Unterlag vererben sich auf den veredelten Baum; Geschmack und Aussehen der Frucht kommen vom Edelreis.
Praktische Quellen und Verträglichkeit
Unterlagen werden in Baumschulen aus Samen, Stecklingen oder Ablegern vermehrt. Apfel- und Birnunterlagen entstehen oft aus ruhenden Hartholzstecklingen im Winter, während Steinobstunterlagen wie Prunus mahaleb für Kirschen aus Samen gezogen werden. Verträglichkeit ist unverzichtbar: Ein Birnedelreis wird auf einer Apfelunterlag nicht erfolgreich anwachsen. Auch innerhalb einer Art schlagen manche Kombinationen fehl und bilden keine stabile Verbindung, oder es tritt später eine Veredelungsinkompatibilität auf, die den Baum schwächt oder Jahre nach dem Pflanzen zum Bruch an der Veredlungsstelle führt.
Im Freiland hängt die Leistung der Unterlag von Bodenverhältnissen und Klima ab. Eine Unterlag, die für durchlässigen Lehmboden gezüchtet wurde, kann auf staunässem Ton Probleme bekommen. Die Winterfestigkeit der Unterlag ist in kalten Regionen genauso wichtig wie die des Edelreises; eine frostempfindliche Unterlag tötet den ganzen Baum ab, wenn die Veredlungsstelle durchfriert. Manche Unterlagen sind anfällig für bestimmte Schädlinge oder Krankheitserreger, andere sind dagegen resistent. Obstgärtner wählen Unterlagen für einen bestimmten Standort nach der erwarteten Leistung unter lokalen Bedingungen, nicht nur nach der Edelreissorte, die sie anbauen wollen.
Der Name Unterlag selbst spiegelt ihre Funktion wider: Sie ist Stock, also Zuchtmaterial oder Ausgangspflanze, und ihr Wert liegt unter der Erde, in den Wurzeln. In Baumschulkatalogen und im Obstgarten ist die Unterlagbezeichnung genauso spezifisch wie die Edelreissorte. Ein Apfelbaum ist nicht einfach nur "Gala", sondern "Gala auf M.7" oder "Gala auf MM.111", wobei das Unterlagkürzel dem Anbauer genau sagt, welches Wurzelsystem und welche Wuchskraft zu erwarten sind.