RWD
Abkürzung für Heckantrieb.
Hinterradantrieb: Motorleistung auf die hinteren Räder übertragen
Hinterradantrieb ist eine Fahrzeuganordnung, bei der der Motor nur die hinteren Räder antreibt und die vorderen Räder ausschließlich das Lenken übernehmen. Die Kraft vom Motor wird über das Getriebe, die Kardanwelle und das Differential auf die Hinterachse übertragen. Diese Anordnung ist für den größten Teil der Automobilgeschichte die vorherrschende Antriebsart gewesen, besonders bei größeren Fahrzeugen, Sportwagen und Lastwagen.
Die Kardanwelle (auch Antriebswelle genannt) verläuft über die gesamte Fahrzeuglänge vom Getriebe zum hinteren Differential. Es ist ein Rohr mit einem Durchmesser von typischerweise 12,7 bis 19 mm, hergestellt aus Stahl oder Aluminium. Diese Welle muss mit hoher Geschwindigkeit rotieren und großes Drehmoment bewältigen, deshalb wird sie sorgfältig ausgewuchtet und bei längeren Fahrzeugen von einem Mittellager gestützt. Das Differential, das im Gehäuse der Hinterachse angebracht ist, ermöglicht es den hinteren Rädern, beim Kurvenfahren mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu drehen und trotzdem Kraft zu erhalten.
Fahrverhalten und Raumaufteilung: Kompromisse
Hinterradantrieb erzeugt eigene Fahreigenschaften: Bei der Beschleunigung verlagert sich das Gewicht nach hinten, die Haftung der hinteren Reifen nimmt zu und die Traktion auf rutschigen Oberflächen verbessert sich. Bei starkem Bremsen tritt das Gegenteil ein, deshalb profitieren Fahrzeuge mit Hinterradantrieb von stärkerer Bremsleistung vorn. Der Fußraum kann flach ausfallen, da kein Getriebekanal notwendig ist, was eine längere Radstellung oder mehr Platz für Insassen bei gleicher Gesamtlänge ermöglicht. Allerdings nimmt das Differential, der Getriebehügel und die Kardanwelle erheblich Ladefläche in Anspruch.
Die hinteren Räder steuern das Fahrzeug durch dynamische Gewichtsverlagerung bei aggressivem Kurvenfahren oder auf rutschigen Oberflächen, und falsches Lenkverhalten kann zu Oversteer führen (das Heck bricht aus), was eine Lenkkorrektur durch den Fahrer erfordert. Frontantrieb beseitigt dieses Risiko, mindert aber die Vorderhaftung bei starker Beschleunigung. Viele Fahrer und Ingenieure bevorzugen das nachvollziehbare, berechenbare Verhalten von Hinterradantrieb, wenn man es verstanden hat, was ihn bis heute zum Standard bei Sportwagen und Luxuslimousinen macht.
Hinterradantrieb bleibt der Standard bei Lastkraftwagen und Nutzfahrzeugen, weil die Hinterachse die Last tragen muss und Antriebsräder am Lastpunkt die Traktion verbessern. Außerdem ist es in großen Stückzahlen billiger herzustellen als Allradantrieb. In den letzten Jahren ist Hinterradantrieb bei kompakten und mittelgroßen Personenwagen weniger verbreitet geworden, da Frontantrieb und Crossover Marktanteile gewonnen haben, aber er bleibt in Sportmodellen, großen Limousinen und Lastwagen erhalten.