Seton
Englisch: seton
Wenige Seidenfäden, Pferdehaare oder ein Leinenstück, das mit Messer oder Nadel unter die Haut eingeführt wird, um Eiterbildung hervorzurufen; auch die dabei entstehende Fistel.
Seton: ein absichtlich angelegter Wundkanal zur Infektionsdrainage
Ein Seton ist ein dünner Faden oder Streifen aus einem Material, das unter der Haut durchgezogen wird, um einen Drainagekanal zu schaffen, typischerweise bei Nutztieren. Das Material wird mit einer Setonnadeöffnung (eine große stumpfe Nadel mit abgeflachtem Öhr) durch einen kleinen Schnitt eingeführt, und beide Enden bleiben herausstehend, damit das Material entfernt oder ausgetauscht werden kann. Das Ziel ist es, einen offenen Kanal zu erhalten, der infizierte oder entzündliche Flüssigkeit kontinuierlich ablaufen lässt und so die Abszessbildung verhindert.
Historisch wurden Setons aus Seidenfaden, Leinenstreifen oder Rosshaar hergestellt. In der modernen Praxis verwenden Veterinäre meist Kordeln aus Baumwolle oder synthetischem Material, die speziell für diesen Zweck hergestellt werden. Der Durchmesser liegt typischerweise zwischen 3 und 6 Millimetern. Das Material muss leicht verunreinigt bleiben, um die Drainage aufrechtzuerhalten, ohne zuzuwachsen; wenn es zu sauber verheilt, schließt sich der Kanal und das Seton verliert seine Funktion.
Anwendung und Verweildauer
Setons werden am häufigsten in der Kehle (der lockeren Haut an Hals und Kehle) oder entlang der Schulter- und Halsregion eingelegt, wo die Drainage frei ablaufen kann. Der Eingriff wird unter veterinärer Aufsicht bei Arbeitstieren wie Rind und Pferd durchgeführt. Abhängig vom Schweregrad der Erkrankung kann ein Seton zwei bis acht Wochen liegen bleiben. Es wird regelmäßig kontrolliert und sauber gehalten; wenn die Schnur verstopft wird oder sich mit pathogenen Bakterien infiziert, muss sie gereinigt oder ausgetauscht werden.
Die Praxis spiegelt ein tieferes Prinzip der älteren Veterinärmedizin wider: dass eine kontrollierte und verwaltete Drainage einer versiegelten Infektion vorzuziehen ist. Obwohl Antibiotika die Abhängigkeit von Setons verringert haben, bleiben sie wertvoll in Fällen, in denen die Antibiotikatherapie unzureichend ist oder die Infektion zu tief sitzt oder zu ausgebreitet ist für eine konventionelle Behandlung. Sie sind besonders hilfreich bei Erkrankungen wie Fistulösen Widerrist oder Kopfnicken bei Pferden, wo Infektionen tief in das Gewebe eindringen und gegen topische oder systemische Behandlung resistent sind.
Der Begriff stammt vom lateinischen seta, was Borste oder Haar bedeutet, was die ursprünglichen verwendeten Materialien widerspiegelt. In der Praxis wird das Seton manchmal auch als Rowel oder Setone bezeichnet, und der Kanal, den es schafft, ist die Fistel. Obwohl weniger verbreitet als in früheren Jahrhunderten, bleiben Setons Teil des Werkzeugkastens des Veterinärs zur Behandlung chronischer suppurativer Zustände bei großen Tieren, wo konventionelle Drainage unpraktisch ist.