Sichel
Englisch: sickle
Werkzeug mit halbmondförmiger Klinge und kurzem Griff zum Schneiden von Gras und Getreide.
Sichel: das gekrümmte Blatt zum Schneiden von Getreide und Gras
Eine Sichel ist ein Handwerkzeug mit kurzem Griff, üblicherweise 10 bis 15 cm lang, und einer gekrümmten Klinge, die sich halbkreisförmig oder teilkreisförmig nach außen wölbt. Die Schneidkante ist normalerweise 30 bis 40 cm lang und auf der Innenseite der Krümmung geschärft. Der Benutzer fasst den Griff und zieht die Klinge in einer Schnittbewegung zu sich heran, wobei die Krümmung dazu dient, Getreide-, Heu- oder Strauchhalme in einem Zug zu sammeln und zu schneiden.
Die Klinge wird traditionell aus Stahl gefertigt, gehärtet und angelassen, um die Schneidschärfe bei wiederholtem Gebrauch zu bewahren. Moderne Ausführungen verwenden Kohlenstoffstahl oder Federstahl; die Krümmung ermöglicht es dem Benutzer, mehrere Halme auf einmal zu durchtrennen, was deutlich effizienter ist als eine gerade Klinge bei stehendem Getreide. Das Gewicht liegt typischerweise zwischen 225 g und 900 g, je nach Blattlänge und -dicke. Der Griff kann aus Holz, Bambus oder Kunststoff bestehen.
Varianten und regionale Verwendung
Sicheln unterscheiden sich nach Region und Kultur. Die japanische Kama hat eine stärkere Krümmung und ein kürzeres Blatt von etwa 15 bis 20 cm, ausgelegt für die Reisernte. Europäische Grassicheln haben sanftere Krümmungen und längere Blätter für Heuernte. Einige Ausführungen verfügen über eine Daumenschlaufe oder einen Fingerschutz. In der mechanisierten Landwirtschaft überlebt die Sichel hauptsächlich in der Kleinbauern- und Subsistenzwirtschaft, besonders in Reisanbauregionen Asiens und Teilen Afrikas, wo nasse Reisfelder und schwieriges Gelände den Einsatz von Traktoren unmöglich machen.
Die Wirksamkeit des Werkzeugs hängt von der Blattschärfe und korrekter Technik ab. Eine stumpfe Sichel drückt die Halme zusammen, anstatt sie sauber zu schneiden, was die Anfälligkeit für Pflanzenkrankheiten erhöht und die Arbeitszeit verlängert. Die gekrümmte Klinge erfordert auch weniger Handgelenkskraft als eine gerade Klinge, was während langer Erntetage die Ermüdung verringert, setzt aber trainierte Bewegungsabläufe für effizienten Gebrauch voraus.
Der Name Sichel stammt vom lateinischen secula, das selbst vom lateinischen secare abstammt und «schneiden» bedeutet. Das Werkzeug hat sich in zweitausend Jahren kaum verändert, was auf eine nahezu perfekte Anpassung an seine Aufgabe hindeutet. In der industrialisierten Getreideerzeugung wurden handbetriebene Sicheln im 20. Jahrhundert durch Balkenmäher und Mähdrescher ersetzt, aber die handgeführte Sichel bleibt dort Standardausrüstung, wo Mechanisierung unpraktisch oder wirtschaftlich unrentabel ist.