sorbitisieren
Englisch: sorbitize
In eine Sorbit enthaltende Form umwandeln
Sorbitieren: Stahl erhitzen, um feines Perlit zu bilden
Sorbitieren ist eine Wärmebehandlung, bei der die Stahlstruktur in Sorbit umgewandelt wird, ein feinkristallines Gemisch aus Ferrit und Zementit, das bei relativ langsamen Abkühlungsgeschwindigkeiten entsteht. Das Verfahren umfasst das Erhitzen des Stahls über die kritische Temperatur (typisch 700 bis 900°C, abhängig vom Kohlenstoffgehalt), das Halten auf dieser Temperatur und dann langsames Abkühlen an der Luft oder im Ofen. Das Ergebnis ist eine Struktur, die feiner und weicher ist als konventionelles Perlit, aber härter und fester als geglühter Stahl.
Der Begriff stammt vom Sorbit selbst, benannt nach der Stadt Sorby in England, wo diese Mikrostruktur erstmals untersucht wurde. Sorbit nimmt eine mittlere Position in der Stahlveredlung ein. Echtes Perlit entsteht bei langsamer Abkühlung, Martensit entsteht bei sehr schneller Abkühlung. Sorbit erscheint bei mäßiger Abkühlung und erzeugt Lamellen, die so fein sind (oft unsichtbar bei schwacher Vergrößerung), dass die Struktur unter dem Lichtmikroskop nahezu homogen wirkt. Diese Feinheit macht Sorbit wertvoll: Es bietet bessere Zähigkeit als gröberes Perlit, ohne viel Festigkeit zu opfern.
Sorbitieren wird auf Mittel- und Hochkohlenstoffstähle angewendet, typischerweise solche mit 0,4% bis 1,0% Kohlenstoff. Federstähle, Werkzeugstähle und Maschinenteile profitieren von dieser Behandlung, weil Sorbit Härte mit Bearbeitbarkeit und Schlagzähigkeit verbindet. Ein bei 750°C sorbitierter Stahl könnte eine Härte von 40 bis 45 HRC erreichen; derselbe Stahl vollständig gehärtet könnte 55 bis 60 HRC erreichen, wäre aber spröde und schwer zu bearbeiten.
Praktische Varianten und Fallstricke
Sorbitieren unterscheidet sich vom Härten und Anlassen hauptsächlich in der Abkühlungsgeschwindigkeit und den Endeigenschaften. Während Härten Martensit erzeugt, gefolgt von absichtlichem Anlassen zur Verringerung der Sprödigkeit, erreicht Sorbitieren seine Endstruktur in einer einzigen Abkühlung. Manche Betriebe sorbitieren kleine Teile in Öl statt in Luft, um die Abkühlungskurve genauer zu steuern. Die Gefahr liegt in der Unterbrechung der Abkühlung: Wenn die Luftabkühlung zu langsam ist, bildet sich grobes Perlit statt Sorbit; wenn die Abkühlung versehentlich schnell wird, können unerwünschtes Martensit oder Bainit entstehen. Die Haltezeit bei Temperatur muss ausreichen für vollständige Austenitisierung, sonst bleibt weiches restliches Austenit.
Sorbitieren hinterlässt den Stahl in vielen Fällen bereit für leichte Bearbeitung oder Einsatz ohne weitere Wärmebehandlung. Diese Wirtschaftlichkeit macht es attraktiv für Bauteile, die Festigkeit und Zähigkeit benötigen, aber nicht die volle Härte eines gehärteten und angelassenen Teils erfordern. Die Mikrostruktur ist auch stabiler und weniger anfällig für Verformungen bei nachfolgenden Schleif- oder Spannungsrelief-Zyklen als frisch angelassenes Martensit.