Tie
Englisch: tie
Peilung und Entfernung zwischen einer Grundstücksecke oder einem Punkt und einer Vermessungsmarke oder einem Festpunkt außerhalb.
Anschluss: eine Vermessungsmessung, die ein Grundstück mit einem festen Bezugspunkt verbindet
In der Vermessung ist ein Anschluss eine gemessene Verbindung von einer Grundstücksecke oder einem Grenzpunkt zu einer äußeren, dauerhaften Referenzmarke. Diese Referenz, üblicherweise Benchmark oder Eisenmarke genannt, befindet sich außerhalb des Grundstücks, oft auf einem Gebäudefundament, an einem Strommast oder an einem eingeschlagenen Eisenpflock. Der Anschluss besteht aus zwei Elementen: der Richtung (Bearing) und der Entfernung vom Grundstückspunkt zu dieser Referenzmarke. Er dient dazu, die Position einer Grundstücksecke zu ermitteln oder zu überprüfen, falls ursprüngliche Vermessungspunkte verloren gehen oder unklar werden.
Anschlüsse sind unverzichtbar für Flurstückrecherchen und Grenzwiedervermessungen. Wenn ein Vermesser ein altes Grundstück neu vermisst, können ursprüngliche Eckpunkte durch Baumaßnahmen, Erosion oder schlicht Alter entfernt worden sein. Eine gut dokumentierte Anschlussmessung in den ursprünglichen Feldnotizen ermöglicht es dem Vermesser, diese Ecke auch Jahrzehnte später mit Sicherheit wiederzufinden. Die Referenzmarke muss stabil, dauerhaft und unbeweglich sein; eine Gebäudeecke oder eine etablierte Eisenmarke ist geeignet, ein Baum oder ein Zaunpfosten dagegen nicht.
Ein Anschluss wird in der Vermessungsurkunde als Richtungs- und Entfernungspaar notiert, zum Beispiel: "N 47° 30' E, 156,4 Fuß zur Eisenmarke in der Bordsteinkante." Die Entfernung wird mit Messkette, Stahlmaßstab oder elektronischen Mitteln gemessen, je nach Epoche und erforderlicher Genauigkeit. Die Richtung wird mit Kompass oder Theodoliten bestimmt. Vermesser erstellen oft mehrere Anschlüsse zur gleichen Grundstücksecke zur Kontrolle; stimmen zwei Anschlüsse von verschiedenen Referenzen überein, ist das Vertrauen in die Ecklage hoch. Widersprechen sie sich, zeigt die Abweichung an, dass sich die Referenzmarke verschoben hat oder die ursprünglichen Messungen ungenau waren.
Anschlüsse unterscheiden sich von Nebenpunkten, die in der Nähe liegende Linienpunkte oder Bauwerke mit der Vermessungslinie selbst verbinden, anstatt eine Grundstücksecke mit einem entfernten Bezugspunkt zu verbinden. Ein Anschluss verläuft streng vom Grundstückspaket zu etwas Festem in der weiteren Landschaft. Diese Unterscheidung ist wichtig für die Interpretation alter Vermessungen und für moderne Wiedervermessungsarbeiten, da sie bei der Unterscheidung zwischen ursprünglicher Kontrolle und bloßer Hilfsmessung die Zuverlässigkeit beeinflusst.
In der Praxis sind Anschlüsse besonders häufig bei städtischen und suburbanen Vermessungen, wo mehrere dauerhafte Bauwerke in der Nähe vorhanden sind, sowie in dicht bebauten historischen Gebieten, wo Eckpunkte verloren gegangen sind oder überbaut wurden. Ländliche Vermessungen stützen sich möglicherweise stärker auf ursprüngliche Punktsuche und natürliche Landmarken, doch Anschlüsse zu Brücken, Mühlen oder Kirchengebäuden erscheinen häufig in Feldnotizen des 19. und 20. Jahrhunderts. Ein fehlender Anschluss oder ein Anschluss zu einer Referenzmarke, die inzwischen zerstört worden ist, kann die Grenzermittlung schwierig oder unmöglich machen, ohne auf Aussagen oder Indizienbeweise zurückzugreifen.