Arbeits- und Materialvertrag
Englisch: time and lime
Vertrag zwischen Schiffbauer und Auftraggeber, bei dem der Schiffbauer auf Grundlage der tatsächlich aufgewendeten Zeit und verwendeten Materialien während der Schiffskonstruktion vergütet wird.
Zeit und Material: Kostenerstattungsvertrag im Schiffbau
Ein Zeit- und Materialvertrag ist eine Schiffbauvereinbarung, bei der der Werftbetreiber den Auftraggeber für geleistete Arbeitsstunden zuzüglich der verbrauchten Materialkosten in Rechnung stellt; der Gewinn wird typischerweise als Prozentsatz aufgeschlagen. Anders als bei Festpreisverträgen ist die Endsumme nicht vorher festgelegt, sondern die Rechnungen häufen sich im Laufe der Arbeit an. Der Begriff stammt aus britischen und europäischen Werften, wo Zeit Löhne und Arbeitsleistung bezeichnete und Material Kalk, Ätznatron und andere Verbrauchsmaterialien für Rumpfbau und Ausrüstung meinte.
Diese Regelung eignete sich für komplexe oder Versuchsschiffe, deren Umfang vorher nicht genau abzuschätzen war. Kriegsschiffe der Marine, Forschungsschiffe und stark umgebaute Handelsrümpfe waren häufige Fälle. Die Werft führte detaillierte Aufzeichnungen über Stunden, Lohnsätze, Materialanforderungen und Lieferantenrechnungen; der Auftraggeber erhielt Kopien und hatte das Recht zur Überprüfung. Der Gewinn wurde typischerweise als Prozentsatz der Gesamtkosten berechnet oder gelegentlich als bei Vertragsabschluss vereinbarte Pauschale.
Risiko und Verantwortung
Zeit- und Materialverträge verlagerten das finanzielle Risiko auf den Auftraggeber und nicht auf den Werftbetreiber. Wenn ein Schiff auf unvorhergesehene Strukturprobleme, Designänderungen oder Engpässe in der Arbeitskraft stieß, stiegen die Kosten und der Auftraggeber zahlte den Mehraufwand. Umgekehrt profitierte der Auftraggeber von niedrigeren Arbeitskosten, wenn die Arbeit effizient voranging. Das machte den Vertrag für Werften attraktiv, die unsichere Arbeiten übernahmen, aber Auftraggeber mussten Fortschritt und Ausgaben genau überwachen, um Kostenexplosionen zu vermeiden.
Die Regelung erforderte hohe Transparenz und gegenseitiges Vertrauen. Streitigkeiten entstanden häufig über abrechenbare Arbeitszeit, ob bestimmte Materialien zum Listenpreis oder zu Nettokosten in Rechnung gestellt wurden, und wie Gemeinkosten verteilt wurden. Größere Werften beschäftigten Stundenzettelbearbeiter und Materialrechner zur Dokumentation. Der Vertrag enthielt typischerweise Klauseln zur Angabe abrechenbarer Mitarbeiterkategorien, Stundensätze nach Gewerk oder Qualifikation und Zuschläge für unproduktive Zeit wie Werkzeugvorbereitung oder Nachbesserungen.
Zeit- und Materialverträge wurden im modernen Schiffbau weniger gebräuchlich, da Werften bessere Kostenschätzungsmethoden entwickelten und Festpreisverträge für Handelsschiffe Standard wurden. Der Begriff ist heute größtenteils historisch und findet sich in älteren Schiffsdokumenten und maritimem Recht. Aktuelle Varianten gibt es bei Reparaturen und spezialisiertem Marinebau, wo Kostenerstattungsverträge weiterhin Sinn machen, wenn der genaue Umfang vorher nicht bekannt ist.