Ausschaltzeit
Englisch: turn-off time
Zeitspanne zwischen dem Moment, in dem der Anodenstrom Null erreicht, und dem Moment, in dem die durch den praktischen Stromkreis entstehende Gegenspannung Null erreicht.
Ausschaltzeit: wie lange ein Halbleiter braucht, um die Stromleitung zu unterbrechen
Wenn ein Thyristor oder ein anderes Leistungshalbleiterelement vom leitenden in den Sperrzustand wechselt, stoppt es nicht sofort. Die Ausschaltzeit ist das Zeitintervall zwischen dem Moment, in dem der Anodenstrom auf null fällt, und dem Moment, in dem sich die Sperrspannung über dem Bauteil auf ihren stationären Wert stabilisiert. Während dieses Zeitfensters werden noch immer Ladungsträger aus der Sperrschicht abgeräumt, und parasitäre Schaltungselemente beeinflussen weiterhin den Spannungsanstieg.
Die Ausschaltzeit ist wichtig, weil sie bestimmt, wie schnell du die Stromleitung in einer Schaltung unterbrechen kannst. In einer halbgesteuerten Brückengleichrichtung oder einer Zerhackerschaltung erzeugt diese Verzögerung eine Totzeit, in der weder der obere noch der untere Schalter leiten sollte; wenn du die Ausschaltzeit nicht berücksichtigst, können beide Bauelemente kurzzeitig leitend werden und einen Kurzschluss über der Stromversorgung verursachen. Bei Bauelementen mit einer Nennspannung von 600 V oder höher liegt die Ausschaltzeit typischerweise zwischen Zehnernanosekunden für moderne schnelle Wiederherstellungsdioden und mehreren Mikrosekunden für ältere Thyristoren.
Das Phänomen hat zwei Komponenten. Im ersten Teil fließt tatsächlich Rückwärtsstrom, während gespeicherte Minoritätsladungsträger die Sperrschicht verlassen, und die vom Stromkreis angelegte Sperrspannung beschleunigt diesen Prozess. Sobald die Ladungsträger aufgebraucht sind, dominiert die Sperrschichtkapazität und der Spannungsanstieg wird steiler. Ein Konstrukteur muss zwischen Restrom (der langsam abklingende Rückwärtsstrom) und der Überganszeit unterscheiden, bis die Spannung 90 Prozent ihres Endwerts erreicht, da Datenblätter jede dieser Größen separat angeben können.
Die Ausschaltzeit ist nicht konstant. Sie steigt mit dem Durchlassstrom unmittelbar vor dem Ausschalten, mit der Sperrschichttemperatur und damit, wie viel Sperrspannung die Schaltung anlegt. Soft-Switching-Topologien formen den Ausschalttransient bewusst, um elektromagnetische Störungen und Schaltverluste zu verringern; sie akzeptieren höhere Durchlassverluste, um sich ein sauberes Ausschaltverhalten zu sichern. Hart geschaltete Schaltungen wie Hochsetzbauer oder Induktionsheizinverter müssen mit der vollständigen Ausschaltzeit rechnen und ihre Schutzschaltungen entsprechend ausgelegen.
Der Begriff selbst beschreibt ein Messzeitintervall, keine Eigenschaft des Bauelements allein. Derselbe Thyristor zeigt unterschiedliche Ausschaltzeiten, je nachdem, ob du in einer Snubber-Schaltung, einer vollständig induktiven Last oder einem resistiven Prüfaufbau misst. Schaltungsinduktivität, Snubber-Netzwerke und die Stärke der Gate-Ansteuertreiber verkürzen oder verlängern das gemessene Intervall. Deshalb geben Bauelementedatenblätter die Ausschaltzeit unter definierten Bedingungen an, typischerweise mit einem vorgegebenen Durchlassstrom, einer Sperrspannungsrate und einer Temperatur.