Twingle
Englisch: twingle
Viertakt-Zweizylinder-Motor mit veränderter Zündfolge, um Drehmomentimpulse ähnlich eines Viertakt-Einzylinders zu erzeugen.
Twingle: ein Zweizylinder, der wie ein Einzelzylinder zündet
Ein Twingle ist ein Viertakt-Zweizylinder-Motor, bei dem die Kurbelwelle so ausgelegt ist, dass beide Kolben gleichzeitig den oberen Totpunkt und dann gleichzeitig den unteren Totpunkt erreichen. Das bedeutet, dass beide Zylinder einmal pro Kurbelwellenumdrehung zünden, mit einem Abstand von 360 Grad Kurbelwellenrotation. Das Ergebnis ist ein einzelner Arbeitstakt pro Motorumdrehung, identisch mit dem eines Viertakt-Einzelzylinders, obwohl zwei Zylinder und zwei Kolben parallel arbeiten.
Die Geometrie, die dies möglich macht, ist die 180-Grad-Kurbelwelle. Bei einem konventionellen Parallel-Twin sind die Kurbelzapfen um 180 Grad versetzt und erzeugen zwei gleichmäßig verteilte Arbeitstakte. Beim Twingle befinden sich beide Kurbelzapfen an der gleichen Position auf der Welle. Beide Pleuelstangen sind an einem einzelnen Kurbelzapfen oder an identisch positionierten Kurbelzapfen angebracht. Wenn ein Kolben nach oben bewegt, bewegt sich der andere ebenfalls nach oben. Die Ansaug- und Auslassvorgänge finden in beiden Zylindern gleichzeitig statt.
Dieses Zündmuster hat mehrere praktische Folgen. Der Motor hat ein ausgeprägtes Einzelzylinder-Charakter bei der Leistungsabgabe mit einem deutlichen Rhythmus, den viele Fahrer ansprechend finden. Die Drehmoment-Kennlinie ähnelt einem großen Einzelzylinder eher als einem gleichmäßigen Twin. Intern entfällt die Notwendigkeit von Ausgleichswellen; die beiden oszillierenden Massen heben sich gegenseitig perfekt auf, daher ist die Vibration tatsächlich geringer als bei einem vergleichbaren Einzelzylinder mit gleichem Hubraum. Allerdings bedeutet der gleichzeitige Arbeitstakt höhere Spitzendrücke und stärkere Belastung für die Kurbelwelle und Lager als bei einem konventionellen Twin.
Der Twingle entstand als Kompromiss zwischen Einzelzylindern und konventionellen Twins. Er bot das Gefühl eines Einzelzylinders in Bezug auf Einfachheit und Charakter, gewann aber die mechanischen Vorteile einer Parallel-Twin-Bauweise: kompaktere Bauweise, gemeinsames Kurbelgehäuse, geteilte Kolbenmasse und leichtere Entwicklung größerer Hubräume. Ducati, KTM und Aprilia haben alle Varianten für Naked Bikes und Sport-Middleweight-Maschinen produziert, wo der Charakter der Leistungsabgabe den Marktpositionierung stark beeinflusst.
Die Nachteile sind real. Die Nockenwellen-Steuerung kann nicht für beide Zylinder unabhängig optimiert werden, was die Atemeffizienz bei hohen Drehzahlen begrenzt. Die gleichzeitigen Verbrennungsvorgänge erzeugen scharfe Leistungspulse, die zwar dramatisch wirken, aber Antriebsstrangkomponenten stärker belasten und mehr Schock auf das Fahrwerk übertragen. Der Kraftstoffverbrauch ist in der Regel weniger effizient als bei einem konventionellen Twin gleicher Größe. Aus diesen Gründen bleiben Twinges ein Nischendesign, das eher für spezifische Marktpositionierung gewählt wird als als universelle Lösung.