virtuell
Englisch: virtual
Besonders in virtueller Brennpunkt: von einem Brennpunkt oder Punkt, von dem Licht oder andere Strahlung scheinbar ausgeht; auch von einem Bild, das durch Licht entsteht, das scheinbar von einem Punkt hinter einer reflektierenden oder brechenden Fläche ausgeht.
virtuell: Licht, das von einem Ort zu kommen scheint, wo es gar nicht ist
In der Optik ist ein virtueller Brennpunkt oder ein virtuelles Bild einer, bei dem Lichtstrahlen von einem Punkt zu divergieren scheinen, aber dort niemals tatsächlich zusammentreffen. Wenn du in einen ebenen Spiegel schaust, siehst du dein Spiegelbild hinter dem Glas in gleichem Abstand zu deinem Gesicht stehen, doch kein Licht kommt tatsächlich von diesem Platz in dein Auge. Stattdessen wird das Licht vom Spiegel reflektiert und breitet sich aus, als würde es von dieser hinteren Position stammen. Dies ist das Erkennungsmerkmal virtueller Optik: die Geometrie des scheinbaren Ursprungs, nicht die physische Präsenz.
Virtuelle Bilder entstehen, wenn Licht so reflektiert oder bricht, dass Strahlen divergieren statt zu konvergieren. Ein ebener Spiegel erzeugt jedes Mal ein virtuelles, aufrechtes, gleichgroßes Bild. Ein konkaver Spiegel, von innen seiner Brennweite betrachtet, ergibt auch ein virtuelles, vergrößertes Bild. Zerstreuungslinsen und Zerstreuungsspiegel bilden immer virtuelle Bilder, weil ihre gekrümmten Oberflächen parallele Lichtstrahlen nach außen brechen; das Auge des Beobachters empfängt diese auseinanderlaufenden Strahlen und das Gehirn errechnet einen Punktursprung hinter der optischen Fläche. Diese virtuellen Bilder können nicht auf einen Schirm projiziert werden, weil sich das Licht dort niemals tatsächlich trifft.
Reelle Bilder entstehen, wenn Lichtstrahlen in einem tatsächlichen Punkt im Raum zusammenlaufen; sie können auf Film oder einen Sensor projiziert und aufgefangen werden. Virtuelle Bilder sind optische Täuschungen, die durch die scheinbare Divergenz von Strahlen entstehen. In einer Lupe (eine einfache positive Linse, die nah am Objekt gehalten wird) siehst du ein virtuelles, vergrößertes Bild. Bewegst du die Linse weiter weg, konvergiert das Licht des Objekts, um ein reelles Bild zu bilden, das auf Papier fokussiert werden kann. Der Übergang zwischen diesen Modi hängt allein davon ab, ob das Objekt innerhalb oder außerhalb der Brennweite liegt.
Der Begriff virtuell kam in die optische Fachsprache, weil diese Bilder an ihrem scheinbaren Ort keine physische Existenz haben, aber dennoch mathematischen Gesetzen gehorchen und mit denselben Strahlverfolgungsmethoden wie reelle Bilder analysiert werden können. Der Ort des virtuellen Brennpunkts wird bei der Instrumentenentwicklung entscheidend: Okulare in Teleskopen und Mikroskopen erzeugen absichtlich virtuelle Bilder im Unendlichen oder im Nahpunkt des Auges, wo das Gehirn sie bequem interpretiert. Das Verständnis dafür, welche Flächen virtuelle im Vergleich zu reellen Brennpunkten hervorbringen, ist wesentlich beim Berechnen von Vergrößerung, Aberration und Gesichtsfeld in jedem zusammengesetzten optischen System.
In der Abbildungstechnik beschreiben virtuelle Punkte und virtuelle Achsen auch theoretische Linien und Ebenen, die keinen physischen Oberflächen entsprechen, aber die Symmetrie und Strahlenpfade eines Systems definieren. Optische Konstrukteure nutzen virtuelle Objekte und virtuelle Blenden, um Lichtwege durch dicke Linsen oder komplexe Baugruppen zu modellieren, bei denen die physische Anordnung nicht intuitiv ist. Die Erkenntnis, wo Bilder virtuell sind, sichert korrekte Sensorpositionierung, richtiges Okulardesign und genaue Interpretation optischer Aberrationen.