VoIP
Englisch: voice over IP
Voice over Internet Protocol, ein Telekommunikationssystem, das das Internet oder ein anderes IP-Netzwerk zur Übertragung von Telefongesprächen nutzt.
VoIP: Telefongespräche über Datennetzwerke geroutet
Voice over IP wandelt analoge Sprachsignale in digitale Pakete um und sendet sie über IP-Netzwerke statt über klassische Vermittlungsleitungen. Ein Mikrofoneingangssignal wird abgetastet, komprimiert und in IP-Datagramme verpackt; am Empfangsende werden die Pakete ausgepackt, dekomprimiert und das Signal zurück zu Audio konvertiert. Das funktioniert über jedes Netz, das IP-Verkehr handhabt: das öffentliche Internet, private LANs, WANs oder dedizierte Mietleitungen.
Der hauptsächliche Vorteil ist die Kostenersparnis. Vermittelte Telefonie reserviert für die Dauer eines Gesprächs einen dedizierten 64-kbps-Kanal; VoIP nutzt Bandbreite nur wenn tatsächlich Sprachdaten vorhanden sind, typischerweise 8 bis 64 kbps je nach Codec-Wahl. Codecs wie G.711, G.729 und Opus bilden einen Kompromiss zwischen Kompressionsverhältnis, Verarbeitungsaufwand und Gesprächsqualität. Ein Unternehmen kann getrennte Telefon- und Dateninfrastrukturen abschaffen und beides über ein einziges verwaltetes Netzwerk betreiben.
Praktische Umsetzung und Einschränkungen
VoIP-Systeme benötigen synchronisierte Taktung zwischen den Endpunkten und niedrige Laufzeit: die einseitige Verzögerung sollte unter 150 Millisekunden bleiben, sonst wird das Gespräch unangenehm. Ein Paketverlust von nur 1 bis 2 Prozent wird als Aussetzer oder Artefakte hörbar. Jitter-Buffer gleichen variable Ankunftszeiten von Paketen aus, fügen aber selbst Latenz hinzu. Netzwerke müssen Sprachverkehr durch Quality-of-Service-Mechanismen priorisieren, sonst verschlechtert sich VoIP-Qualität wenn Datenübertragungen Bandbreite verbrauchen.
Übliche Implementierungen nutzen Session Initiation Protocol (SIP) zum Aufbau und zur Signalisierung von Verbindungen, während Real-time Transport Protocol (RTP) den tatsächlichen Sprachdatenstrom transportiert. Enterprise-Systeme setzen auf proprietäre PBX-Software oder gehostete SIP-Trunk-Dienste; Consumer-VoIP verlässt sich auf Breitband-ISP-Verbindungen plus Adapter oder Softphones. Stromausfälle sind ein Risiko: klassische Telefonleitungen liefern Strom ins Handset; VoIP-Telefone benötigen lokale Stromversorgungen.
Sicherheit ist ein ständiges Problem. Abhören, Gebührenbetrügerei und Denial-of-Service-Attacken zielen auf Signalisierung und Medienströme ab. Verschlüsselung mit SRTP und TLS hilft, aber unvollständige Standardisierung in der Industrie lässt Lücken. Anforderungen an E911-Service und Anrufaufzeichnungen variieren je nach Rechtsprechung und bringen Compliance-Komplexität mit sich, die es in klassischer Telefonie nicht gibt.