Durchschlagsspannung
Englisch: flashover voltage
Die Spannung, bei der zwischen zwei durch einen Isolator getrennten Elektroden eine elektrische Entladung auftritt.
Überschlagspannung: wenn die Isolierung versagt und der Lichtbogen über den Spalt springt
Die Überschlagspannung ist die Mindestpotentialdifferenz, die erforderlich ist, um einen elektrischen Lichtbogen durch ein Isoliermaterial, typischerweise Luft, zwischen zwei nicht direkt in Kontakt stehenden Leitern zu erzeugen. Unterhalb dieses Schwellwerts hält die Isolierung; bei oder oberhalb davon bricht das Dielektrikum durch und Strom fließt über einen unbeabsichtigten Pfad. Der Lichtbogen bildet sich, wenn die elektrische Feldstärke die Durchschlagsfestigkeit des Materials zwischen den Elektroden überschreitet, Atome ionisiert und einen leitfähigen Plasma-Kanal erzeugt.
Die Überschlagspannung hängt von mehreren physikalischen Parametern ab: der Spaltabstand zwischen den Elektroden (die Spannung steigt bei typischen Luftspalten ungefähr linear mit der Entfernung), die Form und Schärfe der Elektrodenkanten (scharfe Spitzen und Kanten senken die Überschlagspannung, weil sie das Feld konzentrieren), die Atmosphärenbedingungen (feuchte Luft, Verschmutzung und Höhenlage beeinflussen alle die Durchschlagsfestigkeit) und das Material selbst. Für Luft auf Meereshöhe mit glatten kugelförmigen Elektroden und Gleichspannung beträgt die Durchschlagsfeldstärke ungefähr 3 Megavolt pro Meter, wobei Wechselspannung typischerweise bei etwas niedrigeren Werten durchschlägt. Verschmutzte Oberflächen, Feuchtigkeitsfilme und raue Oberflächen reduzieren die Überschlagspannung deutlich unter die theoretischen Werte für saubere Luft.
Warum das in der Praxis wichtig ist
Die Überschlagspannung ist entscheidend bei der Auslegung von Isolatoren, Schaltgeräten, Transformatoren und Hochspannungsübertragungsausrüstung. Ein für 138 Kilovolt ausgelegter Isolator muss so ausgelegt sein, dass er Überschlag bei Spannungen deutlich über dem Normalbetrieb widersteht, typischerweise mit einem Sicherheitsfaktor von 30 bis 50 Prozent. Umweltstress baut reale Isolatoren im Laufe der Zeit ab, daher umfasst die Wartung die Reinigung von Oberflächen von Salzablagerungen, Staub und Verschmutzung, die die Überschlagspannung senken. Ausrüstung in Küsten- oder Industriegebieten ist anfälliger für beschleunigten Abbau, weil luftgetragene Verunreinigungen den Spalt überbrücken und Überschlag bei niedrigeren Spannungen als unter sauberen Bedingungen ermöglichen.
Wenn Überschlag unbeabsichtigt auftritt, deutet dies oft auf einen Ausfall oder unmittelbare Gefahr hin. Ein Überschlag über einen Transformator-Busching-Isolator kann beispielsweise Öl zünden und einen Brand verursachen. Konstrukteure verwenden Kriechstrecke (der Weg entlang der Isolatoroberfläche) und Luftstrecke (durch Luft), um die Überschlagspannungen hoch genug zu halten, dass andere Schutzgeräte wie Sicherungen oder Leitungsschutzschalter zuerst auslösen. Testverfahren messen die Überschlagspannung empirisch unter kontrollierten Bedingungen, um sicherzustellen, dass Isolatoren die Spezifikationen erfüllen, bevor sie in Betrieb genommen werden.