Funktelegrafie
Englisch: wireless telegraphy
Telegrafie per Funk statt über Übertragungskabel.
Funkentelegrafie: Morsezeichen per Funkwellen statt Draht
Funkentelegrafie ist die Übertragung von Telegrafiesignalen, üblicherweise Morsecode, über Entfernungen mittels Funkwellen statt elektrischer Kabel zwischen den Standorten. Ein Sender wandelt die Tastatureingaben des Operators in elektromagnetische Impulse um, die von einer Antenne abgestrahlt werden; ein entfernter Empfänger nimmt diese Impulse auf, demoduliert sie und leitet sie an einen Schreiber oder ein Anzeigerät weiter, wo sie als Punkt-Strich-Folgen gelesen werden können. Diese Methode machte physische Telegrafenleitungen zwischen den Orten überflüssig und ermöglichte Kommunikation über Ozeane, Berge und Gegenden, wo Kabelverlegung unpraktisch oder teuer war.
Die Grundausrüstung besteht aus einem Funkenstrecken-Sender oder Röhrenoszillator zur Erzeugung von Hochfrequenzstrom, einem abgestimmten Antennensystem für Abstrahlung und Empfang und einem empfindlichen Detektor (Kristall, Thermioniröhre oder Kohärer in frühen Systemen) zur Signalrückgewinnung. Die Betriebsfrequenzen entwickelten sich von den längeren Wellenlängen der frühen 1900er Jahre, etwa 600 Meter, über Mittelwellenbänder für Seefunkverkehr, typischerweise zwischen 500 und 1600 kHz. Schiff-Küste-Funk war die erste große kommerzielle Anwendung, wobei Operatoren ständige Überwachung auf 500 kHz für Nothilfesignale aufrechterhielten.
Morsecode erwies sich für Funkarbeit als ideal, weil seine Punkte und Striche von Natur aus widerstandsfähig gegen Schwund und Rauschen auf Funkstrecken sind. Die Hand-Taste des Operators, ein einfacher mechanischer Schalter, öffnet und schließt den Senderstromkreis; der Empfangsoperator horcht über Kopfhörer oder beobachtet ein Tonbandgerät auf die charakteristischen Klickgeräusche des demodulierten Signals. Die Übertragungsgeschwindigkeit lag je nach Ausbreitungsbedingungen und Operatorfertigkeit zwischen etwa 10 und 25 Wörtern pro Minute. Anders als Telefonie, die lineare Verstärkung und sorgfältige Frequenzstabilität erfordert, ist Funkentelegrafie grundsätzlich einfach: Ein-Aus-Tastung setzt nur voraus, dass der Sender ausreichende Leistung auf der richtigen Frequenz erzeugt.
Funkentelegrafie blieb das Rückgrat der Seesicherheit und der Fernkommunikation weit ins Radiozeitalter hinein, und hielt sich auch noch, nachdem Funktelefonie technisch machbar wurde. Der Begriff selbst wurde zur Standardbezeichnung, um funkgestützte Morseübertragung von Drahttelefrafie zu unterscheiden, eine Unterscheidung, die immens wichtig war, als beide Systeme in der gleichen Branche nebeneinander existierten. Aufsichtsbehörden wiesen bestimmte Frequenzen und Rufzeichen Funkstationen zu, und internationale Verträge standardisierten Notfallverfahren und Betreiberlizenzierung.
Der Niedergang der Funkentelegrafie war graduell statt plötzlich. Militärische Anwendungen, besonders für Schiff- und U-Boot-Kommando, stützten sie durch den Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus. Landgestützte Anwendungen wichen Telefonie und später Datenübertragung, aber Funkentelegrafie hatte in einigen Anwendungen keinen vollständigen Ersatz bis Satellitenkommunikation in den 1970er und 1980er Jahren routine wurde. Funkamateur-Operatoren nutzen heute noch Morsecode auf Funkfrequenzen und bewahren die grundlegende Technologie und Fertigkeiten, die den früheren Beruf definierten.