Card: Von der Spielkarte zur Webstuhl-Steuerung
Eine Spielkarte und eine Jacquard-Webstuhl-Anweisung sehen sich überhaupt nicht ähnlich, aber sie beruhen auf demselben genialen Prinzip: Löcher, die Informationen verschlüsseln.
Für die meisten Menschen ist eine card ein dünnes rechteckiges Stück Pappe, das man in der Hand hält, um Rommé zu spielen oder um Visitenkartendaten zu speichern. Sie ist flach, tragbar und soll von Menschen gelesen oder benutzt werden. Das Material ist Verschleißware. Eine card war nie dazu bestimmt, lange zu halten.
In der Textilproduktion auf einem Jacquard-Webstuhl ist eine card etwas viel Dauerhafteres und Präziseres. Es ist ein Blatt aus steifer Pappe oder dünnem Blech, durchlöchert mit einem Muster von Löchern. Diese Löcher sind nicht dekorativ. Jedes Loch ist entweder an einer bestimmten Position vorhanden oder nicht vorhanden, und diese Präsenz oder Abwesenheit ist eine binäre Anweisung: diesen Kettfaden heben oder unten lassen. Hunderte von cards werden zusammengefädelt in eine Endlosschleife und durch einen mechanischen Leser gefädelt. Während der Webstuhl läuft, rückt jede card um eine Position vor, und eine Reihe von schwenkbaren Nadeln tastet die Kartenoberfläche ab. Wo eine Nadel auf ein Loch trifft, fährt sie hindurch und löst einen Haken aus, der einen Faden hebt. Wo die card solid ist, wird die Nadel blockiert und der Faden bleibt in seiner Position. Eine card steuert einen Durchgang des Schiffchens. Komplexe Muster erfordern tausende von cards, jede eine bleibende Aufzeichnung einer einzelnen Webreihe.
Der um 1804 in Frankreich erfundene Jacquard-Apparat war nicht die erste Maschine, die gelochte cards zur Steuerung nutzte. Aber er war die erste, die die Idee berühmt und dauerhaft machte. Die Methode war so erfolgreich, dass gelochte cards später zum Standard für die Programmierung früher elektronischer Computer wurden: das IBM-Kartenformat mit 80 Spalten von Löchern stammte direkt vom Jacquard-Webstuhl ab. Eine Webers-Anweisungskarte und eine Computer-Datenkarte sind Verwandte, getrennt durch ein Jahrhundert.
Die industrielle Bedeutung von card hat sich auch in verwandte Bereiche ausgebreitet. In Baumwollmühlen ist eine cotton card ein völlig anderes Objekt: ein Werkzeug oder eine Maschine zum Kämmen und Ausrichten von Fasern, keine Anweisungsmedium. In der modernen Elektronik ist eine line card ein modulares Steckplatinen-Schaltungsboard, und eine red card im Brandschutz ist ein Berechtigungstoken. Keine dieser Bedeutungen erbt den Sinn der gelochten Anweisung, aber alle behalten die Kernbedeutung: eine card ist etwas Dünnes, Diskretes und dafür ausgelegt, von einem Mechanismus bearbeitet und gelesen zu werden.
Die gemeinsame Metapher läuft tief. Eine Spielkarte verschlüsselt Informationen auf ihrer Oberfläche für menschliche Augen. Eine Jacquard-card verschlüsselt Informationen in Löchern für mechanische Nadeln. Beide sind tragbar, stapelbar und austauschbar. Beide speichern Daten in einer Form, die gelesen und umgesetzt werden kann. Der Unterschied zwischen einem Spiel und einem Webstuhl ist schlicht der Unterschied zwischen zwei Lesern: einer aus Augäpfeln und Gehirn, der andere aus Stahl und Federn.
The dictionary entry
card
(noun, industrial supplies, equipment, and components)
A perforated pasteboard or sheet-metal plate for warp threads, making part of the Jacquard apparatus of a loom.