Departure: Nicht vom Gehen, sondern von der Ostrichtung
Im alltäglichen Sprachgebrauch bedeutet departure Abschied. Für Vermesser bedeutet es die Ostkomponente einer Messlinie, entscheidend für Kartierung und Koordinaten.
Im gewöhnlichen Sprachgebrauch ist departure der Moment des Fortgehens: die Abfahrt eines Zuges vom Bahnhof, deine Abreise in den Urlaub. Das Wort trägt den Sinn von Umbruch, von der Trennung von einem Ort, um zu einem anderen zu gehen. In der Fachsprache der Vermessung aber hat departure dieses emotionale Gewicht abgelegt und ist rein geometrisch geworden.
In der Vermessung ist departure die horizontale Ostkomponente einer gemessenen Linie. Wenn ein Vermesser eine Linie von einem Punkt zu einem anderen misst, verläuft diese Linie nicht genau nach Norden oder Süden; sie verläuft unter einem Winkel. Der Vermesser zerlegt diese diagonale Bewegung in zwei senkrecht aufeinander stehende Teile: das Northing (die Nord-Süd-Komponente) und die departure (die Ost-West-Komponente). Wenn eine Grenzlinie von Punkt A mit Easting 1000 zu Punkt B mit Easting 1050 verläuft, beträgt die departure 50 Einheiten, unabhängig davon, wie weit die Linie auch nach Norden oder Süden führt. Diese Zerlegung ist grundlegend für die Koordinatengeometrie, zum Schließen von Polygonzügen und zur Umwandlung von Feldmessungen in das rechteckige Gitternetz, das modernen Karten und Grundstücksunterlagen zugrunde liegt.
Der Begriff taucht vor allem im Zusammenhang mit Polygonzugvermessungen auf, bei denen ein Vermesser einen Weg um ein Grundstück herum abläuft, Abstände und Richtungen bei jedem Abschnitt aufmisst. Jeder Abschnitt hat eine departure und ein Northing. Die Summe aller departures eines geschlossenen Polygonzugs muss null sein, man muss am Ende wieder dort ankommen, wo man angefangen hat, zumindest in der Ost-West-Richtung. Dasselbe gilt für die Summe aller Northings. Ist das nicht der Fall, enthält die Vermessung einen Fehler, und der Vermesser muss die Messungen überprüfen oder sie proportional anpassen, um den Zug zu schließen.
Das Wort ist wahrscheinlich über die Seefahrt und Militärkartografie in die Vermessungspraxis gelangt, wo das Konzept der Ostversetzung im 17. und 18. Jahrhundert standardisiert wurde. In diesen Bereichen mussten Schiffe und Armeen bei Bewegungen über die Welt nicht nur verfolgen, wie weit sie insgesamt gekommen waren, sondern auch wie weit östlich oder westlich und wie weit nördlich oder südlich. Der Begriff blieb haften, weil er bereits in der Sprache von Peilung und Entfernung verankert war, der Fachsprache der Navigation. In moderner Vermessungssoftware und in Lehrbüchern ist departure nach wie vor gleichbedeutend mit der Easting-Komponente eines Liniensegments, ein neutraler, mathematischer Begriff, dessen ursprüngliche Bedeutung des Fortgehens völlig in der technischen Bedeutung aufgegangen ist.
The dictionary entry
departure
(noun, surveying)
The difference in easting between the two ends of a line or curve.