Oddment: Restmaterial oder unverzichtbare Zusätze
Für die meisten Menschen ist ein Oddment ein nutzloser Verschnitt. Für einen Drucker ist es die kritische Ausstattung, die ein Buch vollständig macht.
Im alltäglichen Sprachgebrauch ist ein Oddment ein Restfragment, ein Stück von etwas Gebrochenem oder Ungebrauchtem. Man findet Oddments in einem Nähkästchen, in einer Schublade mit Krimskrams, in einer Restekiste: Teile, die zu klein zum Gebrauch sind und nur aus Gewohnheit oder Sparsamkeit aufbewahrt werden.
In der industriellen Druckerei hat das Oddment eine präzise und würdevolle Bedeutung. Es ist jeder Teil eines Buches, der nicht der fortlaufende Text selbst ist: das Titelblatt, das Impressum, das Inhaltsverzeichnis, das Register, das Vorwort, das Kolophon. Diese Seiten und Abschnitte sind für die Buchstruktur und Funktion unverzichtbar, liegen aber außerhalb des Hauptteils der Erzählung oder des Argumentationstextes. Der Drucker muss sie separat setzen, sie in der richtigen Reihenfolge anordnen und sicherstellen, dass sie zusammen mit den Textblöcken in der korrekten Abfolge gebunden werden. Oddments werden mit der gleichen Sorgfalt und Präzision hergestellt wie jede Seite des Textes, erfordern aber separate Planung und unterschiedliche Zählmethoden.
Die Unterscheidung entstand, weil Vorteil und Nachteil aus Sicht des Schriftsetzers wirklich ungewöhnlich waren. Der Text selbst war die Hauptaufgabe, der Reihe nach gesetzt. Alles andere kam davor oder danach, war Zusatz, oft erst spät in der Produktion hinzugefügt. Diese Abschnitte waren nicht Teil des ursprünglichen Manuskripts; sie wurden gemeinsam vom Verleger und Drucker hergestellt, als Antwort auf das fertige Werk. In einer Zeit, als Drucken Handarbeit war, würde ein Schriftsetzer zuerst den Roman oder die Abhandlung fertigstellen und dann zum Setzen des Titelblatts und anderer Ausstattungselemente zurückkehren. Diese Teile wurden separat gefertigt, separat angeordnet, separat behandelt. Über Jahrhunderte blieb der Begriff bestehen.
Der moderne Druck erkennt Oddments immer noch an, obwohl sie jetzt digital von Anfang an geplant und verarbeitet werden. Eine gewerbliche Binderei trennt Oddment-Seiten bei der Verarbeitung von Textseiten und wendet bei Bedarf unterschiedliche Behandlungen an: anderes Papier, andere Druckfarbe, unterschiedliche Falzmuster. Das Register kann auf anderen Maschinen gedruckt werden als der Textkörper. Der Begriff bleibt bestehen, weil die Unterscheidung bestehen bleibt: Oddments sind nicht die Geschichte; sie sind die Infrastruktur, die die Geschichte zusammenhält.
The dictionary entry
oddment
(noun, industrial printing)
A part of a book that is not a portion of the text, such as the title, index, etc. (usually plural).