Stereotype: von der Druckplatte zur festen Idee
In der Druckerei ist eine Stereotype eine Metallplatte. Überall sonst ist sie eine festgefahrene Vorstellung. Beide Bedeutungen gehen auf dieselbe Erfindung zurück.
Für die meisten Menschen ist eine Stereotype ein weit verbreitetes, aber zu vereinfachtes Urteil über eine Gruppe, besonders wenn es vorurteilsbehaftet oder falsch ist. Das Wort beschreibt eine faule Gewohnheit des Denkens: die Annahme, dass alle Mitglieder einer Kategorie die gleichen Merkmale teilen. Das Wort hat moralisches Gewicht; etwas als Stereotype zu bezeichnen ist normalerweise eine Kritik.
In der Druckindustrie ist eine Stereotype etwas ganz Physisches. Es ist eine Metalldruckplatte, meist aus Schriftmetall gegossen (eine Legierung aus Blei, Zinn und Antimon), hergestellt durch Eingießen von geschmolzenem Metall in eine Form. Diese Form, Flong genannt, wird erstellt, indem man Papiermache oder ähnliches Material gegen eine erhabene Druckfläche presst, entweder Satztypen oder einen Gravurblock. Wenn das Metall erkaltet und aus dem Flong entfernt wird, hat man eine solide, haltbare, gebogene oder flache Platte, die in eine Druckmaschine eingespannt werden kann. Stereotypen konnten tausendmal gedruckt werden, ohne dass die ursprünglichen Typen abnutzten.
Das Verfahren war revolutionär. Vorher mussten Drucker den Satz für jeden neuen Druck von Hand neu setzen, oder sie hielten die ursprünglichen Typen gesperrt und unbrauchbar. Eine Stereotype befreite sowohl die Original-Typen als auch die Zeit des Druckers. Die Technik erschien in den 1720er Jahren und wurde bis zum 19. Jahrhundert Standard für Zeitungen, Bücher und Verpackungen. Sie war schneller, billiger und ermöglichte Massenproduktion.
Die bildliche Bedeutung entstand direkt aus dieser industriellen Realität. Wenn man eine Druckplatte aus einer Form gießt, schafft man etwas Festgelegtes, Einheitliches und endlos Reproduzierbares. In den frühen 1800er Jahren begannen Schriftsteller, "Stereotype" zur Beschreibung von Ideen zu verwenden, die ähnlich gegossen, starr und ohne Variation wiederholt wurden. Eine Stereotype von einer Person oder Gruppe funktionierte wie eine Stereotype-Platte: sie war eine Massenprodukt-Gedankenvorlage, herausprägt und immer wieder benutzt, immun gegen die Individualität des Originals. Die Technologie gab der Sprache das perfekte Wort, um Gedanken zu beschreiben, die sich in feste Formen verhärtet hatten.
Im modernen Druck überlebt der Begriff hauptsächlich in der Geschichte und in speziellen Kontexten wie dem Flexodruck. Aber er bleibt technisch präzise: Eine Stereotype ist immer noch ein Guss, immer noch eine Platte, immer noch ein Denkmal für die Kraft von Formen, Einheitlichkeit zu schaffen. Diese gleiche Kraft, auf menschliches Urteil angewendet, ist der Grund, warum wir vorurteilsbehaftete Verallgemeinerungen immer noch nach dem Namen einer Maschine nennen.
The dictionary entry
stereotype
(noun, industrial printing)
A metal printing plate cast from a matrix moulded from a raised printing surface.