Abreuvoir
Englisch: abreuvoir
Fuge oder Zwischenraum zwischen Steinen, der mit Mörtel gefüllt werden soll.
Abreuvoir: die Fuge, die Mörtel zwischen Steinen aufnimmt
Ein Abreuvoir ist die senkrechte oder annähernd senkrechte Fuge zwischen benachbarten Steinen in Mauerwerk, die beim Verlegen absichtlich offen gelassen wird, um Mörtel aufzunehmen. Der Begriff stammt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich 'Tränkplatz', bezieht sich also darauf, wie Mörtel in die Öffnung 'gefüllt' wird. In der modernen Praxis verwenden Steinmetze und Maurer häufiger die Begriffe 'Fuge' oder 'Lagerfuge' für waagerechte Spalten und 'Stoßfuge' oder 'Vertikalfuge' für senkrechte, wodurch Abreuvoir außerhalb von spezieller Restaurierungsarbeit weitgehend veraltet ist.
Die Breite eines Abreuvoir variiert je nach Arbeitstyp und Steingröße. Bei Quadermauerwerk können Fugen 6 bis 15 Millimeter breit sein; bei Bruchsteinmauerwerk können sie 25 bis 40 Millimeter oder mehr betragen. Der Maurer lässt das Abreuvoir während der Konstruktion ungefüllt, entweder durch absichtlichen Steinabstand oder durch Auskratzen von lockerem Mörtel, bevor dieser vollständig aushärtet. Die Tiefe der Fuge in die Mauerstärke hinein beeinflusst, wie gut der Mörtel haftet und wie witterungsbeständig das Mauerwerk wird.
Nachdem die Mauer gebaut ist und teilweise ausgehärtet hat, wird das Abreuvoir verfugt: Mörtel wird in die Fuge gepresst und bündig, versenkt oder in einem konkaven Profil beendet, je nach örtlicher Gepflogenheit und Witterungsbelastung. Schlecht verfugte Abreuvoir hinterlassen Hohlräume, die Wasser speichern und Verschleißerscheinungen beschleunigen. Historische Arbeiten zeigen oft fehlerhafte Verfugung, bei der Abreuvoir unvollständig gefüllt waren oder bei denen weicher Mörtel herausgewittert ist, was Wege für Wassereintritt und Frostschäden schafft.
Der Begriff ist hauptsächlich in älterer Fachliteratur, Restaurierungsvorgaben und französischsprachiger Maurerpraxis anzutreffen. Das moderne englischsprachige Steinhandwerk verwendet ihn selten, obwohl Fachleute im Denkmalsschutz das Wort in historischen Vorgaben oder beim Studium traditioneller Techniken antreffen können. In industriellen Kontexten erscheint er hauptsächlich in Vorgaben für Reparaturarbeiten an georgianischen oder viktorianischen Quadersteinfassaden, wo das Verständnis für historische Konstruktionsmethoden für die Haltbarkeit entscheidend bleibt.