Akquisitionszeit
Englisch: acquisition feeding time
Zeitraum, der für die erfolgreiche Aufnahme eines Virus durch seinen Vektor erforderlich ist, damit dieser danach viruliferisch wird und die Übertragung erfolgt.
Akquisitionsfresszeit: wie lange ein Vektor fressen muss, um ein Virus zu erfassen
Die Akquisitionsfresszeit ist die Mindestdauer, die ein Krankheitsvektor, normalerweise ein Insekt, an einer befallenen Pflanze fressen muss, um genug Viruspartikel für die spätere Übertragung aufzunehmen. Sie wird in Minuten oder Stunden gemessen, je nach Vektorart und Virustyp. Ist dieser Schwellenwert überschritten, wird der Vektor virulifär und kann den Erreger auf neue Wirte übertragen, auch wenn er sofort aufhört zu fressen.
Die Zeit variiert erheblich je nach Vektor- und Viruskombination. Blattläuse, die an Kartoffelvirus Y fressen, können bereits in 5 bis 15 Minuten infektiös werden, während Zikaden, die bestimmte persistente Viren übertragen, 24 Stunden oder mehr kontinuierliches Fressen benötigen. Das Virus muss aus dem Pflanzensystem durch die Darmwand des Insekts in seine Speicheldrüsen gelangen, bevor eine Übertragung möglich ist. Nichtpersistente Viren, die sich nur an die Mundwerkzeuge des Insekts anheften, haben Akquisitionszeiten, die in Sekunden gemessen werden.
Im landwirtschaftlichen Schädlingsmanagement bestimmt die Kenntnis der Akquisitionsfresszeit die Bekämpfungsstrategie. Erkennt ein Feldkontrolleur eine befallene Pflanze frühzeitig genug und entfernt sie, bevor Vektoren die kritische Fressdauer erreichen, kann eine massive Ausbreitung verhindert werden. Eine Kultur, die bereits Symptome zeigt, hat Vektoren wahrscheinlich genug Fresszeit erlaubt, sodass die Kontrolle sich dann auf die Regulierung der Insektenpopulation konzentriert, anstatt die Virusaufnahme selbst zu verhindern.
Variabilität und Messung
Umweltbedingungen verändern die Aufnahmeeffizienz. Die Temperatur beeinflusst die Fressrate des Vektors und die Verfügbarkeit von Virus im Pflanzengewebe. Ein Vektor, der bei 25 Grad Celsius frisst, kann das Virus in der Hälfte der Zeit aufnehmen, die bei 15 Grad nötig ist. Pflanzenalter, Sorte und Viruskonzentration im Pflanzensystem beeinflussen ebenfalls, wie schnell der Schwellenwert erreicht wird. Laborversuche bestimmen die Akquisitionsfresszeit, indem Vektoren für festgelegte Intervalle fressen dürfen, dann auf virusfreie Pflanzen übertragen werden und erfolgreiche Übertragungen gezählt werden.
Die Akquisitionsfresszeit unterscheidet sich von der Inokulationsfresszeit, die die Dauer ist, die zum Übertragen des Virus nach abgeschlossener Aufnahme benötigt wird. Ein einzelner Vektor kann 10 Minuten benötigen, um Virus aufzunehmen, aber nur 2 Minuten, um einen neuen Wirt zu infizieren. Diese Unterscheidung ist entscheidend für das Verständnis der Ausbreitungsdynamik von Krankheiten und für die Vorhersage, wie schnell sich eine Infektion durch eine anfällige Kultur ausbreitet.