ACRR
Adjacent-channel rejection ratio; Messgröße zum Vergleich der Signalstärke mit einem ähnlichen Signal auf einer benachbarten Frequenz in Nachbarkanälen.
ACRR: wie gut ein Empfänger seine lauten Nachbarn ignoriert
Das Nachbarkanal-Unterdrückungsverhältnis (ACRR) misst die Fähigkeit eines Empfängers, ein gewünschtes Signal anzunehmen und gleichzeitig ein unerwünschtes Signal auf einer benachbarten Frequenz zu unterdrücken. Es ist das Verhältnis des Pegels des gewünschten Signals zum Pegel des unerwünschten Signals, beide am Empfängereingang gemessen, wenn beide die gleiche Ausgangsleistung erzeugen. Das Ergebnis wird in Dezibel ausgedrückt. Ein Empfänger mit schwachem ACRR wird von Sendern auf benachbarten Kanälen gestört; einer mit gutem ACRR kann friedlich im überlasteten Spektrum koexistieren.
Der Test selbst ist grundsätzlich einfach, erfordert aber in der Praxis Präzision. Ein Testsignal auf der gewünschten Frequenz wird auf einen Referenzpegel eingestellt, der typischerweise eine definierte Ausgangsleistung erzeugt. Dann wird ein zweites Signal auf einem benachbarten Kanal eingeführt, und sein Pegel wird erhöht, bis die Ausgangsleistung derjenigen des alleinigen gewünschten Signals entspricht. Das Verhältnis dieser beiden Eingangspegel ist das ACRR. Wenn zum Beispiel ein gewünschtes Signal bei 100 mW die gleiche Ausgangsleistung erzeugt wie ein unerwünschtes Signal bei 10 mW auf dem nächsten Kanal, ist das ACRR 10 mW geteilt durch 100 mW, oder 0,1, ausgedrückt als minus 10 dB.
Selektivität und Empfänger-Frontend
ACRR ist grundlegend eine Frage der Filterselektivität. Das Eingangsfiltter des Empfängers, die Zwischenfrequenzstufen und der Detektor prägen, wie scharf er Signale außerhalb des Kanals unterdrückt. Ein schmales Filter mit steilen Flanken bietet besseres ACRR; ein breites Filter lässt mehr Energie von benachbarten Kanälen durch. In modernen digitalen Empfängern können softwaregesteuerte Filter sehr hohe ACRR-Werte durch Schmalband-Algorithmen nach anfänglichen Analogstufen erreichen, während ältere Überlagerungsempfänger durch die Qualität ihrer ZF-Transformer und Keramikfilter begrenzt waren.Die Nachbarkanal-Leistung wird in dicht belegten Frequenzzuweisungen kritisch. Landmobilfunksysteme, die mit 25 kHz oder 12,5 kHz Kanalabstand arbeiten, Mobilfunknetze mit engeren Zuweisungen und Einsatzleitstellen sind alle darauf angewiesen, ausreichendes ACRR zu halten, um Übersprechen und verlorene Verbindungen zu vermeiden. Ein verschlechtertes ACRR durch Komponentenalterung, Antennenkopplung oder schlechte Abschirmung kann einen Empfänger in seiner Betriebsumgebung unzuverlässig machen, lange bevor er einen Empfindlichkeitstest nicht besteht.
Der Begriff spiegelt die praktische Sorge des Funkingenieurs wider: nicht, wie laut ein Signal der Empfänger isoliert hören kann, sondern wie gut er das gewünschte Signal hören kann, wenn alle um ihn herum auch senden. ACRR erscheint zusammen mit dem Nachbarkanal-Leistungsverhältnis (ACPR), das die Ausstrahlung eines Senders in benachbarte Kanäle misst, auf die gleiche Weise, wie Sender- und Empfängerselektivität gespiegelte Belange im Spektrummanagement sind.