Atlantic
Dampflokomotive mit Achsfolge 4-4-2.
Atlantic: die 4-4-2 Dampflokomotive, die Schnellzüge beherrschte
Eine Atlantic ist eine Dampflokomotive mit der Achsfolge 4-4-2: zwei Laufachsen auf einer Achse, vier Triebachsen auf zwei Achsen und zwei Nachlaufachsen auf einer Achse. Der Nachlaufdrehschemel unter dem Feuerraum gab diesen Maschinen ihren besonderen Vorteil gegenüber früheren Konstruktionen: sie konnten einen größeren, längeren Feuerraum tragen, was höhere Dampfleistung und gleichmäßigere Geschwindigkeit über längere Strecken ermöglichte. Dies machte sie zur natürlichen Wahl für den Schnellzugdienst auf ebenen und schwach geneigten Strecken.
Der Typ entstand um 1894 in den Vereinigten Staaten und erhielt seinen Namen von der Atlantic Coast Line Railroad, die sie im Schnellzugverkehr zwischen größeren Städten einsetzte. Europäische Bahnen, besonders in Großbritannien und Frankreich, übernahmen den Typ schnell. Die Great Western Railway in Großbritannien baute Atlantics für schwere Kontinentalzüge; französische Atlantics bei der PLM und der Est-Bahn zählten zu den leistungsstärksten und sparsamsten ihrer Zeit. Um 1910 war die Atlantic die Standardschnellzuglokomotive auf Langstrecken mit schwacher Kurvatur und guten Wartungseinrichtungen.
Die Achsfolge brachte echte Einschränkungen mit sich. Der Nachlaufdrehschemel stützte zwar den größeren Feuerraum, verringerte aber das Haftegewicht und machte die Lokomotive für schwere Güterzüge oder steile Rampen weniger geeignet, wo diese zusätzlichen Triebachsen wertvoll gewesen wären. Atlantics brauchten gutes Gleis und guten Schotter; auf schlechten Kurven oder weichem Untergrund konnten sie entgleisen oder Räder abheben. Die lange Lokomotiveneinheit erforderte auch vorsichtiges Fahren auf engeren Kurven. In Gebirgsregionen oder bei Bahnen mit schärferen Kurven erwies sich die Ten-wheeler (4-6-0) oder Pacific (4-6-2) trotz ihrer größeren Triebachsen als praktischer.
Niedergang und Spezialisierung
Die Pacific-Achsfolge, um 1902 eingeführt, bot sowohl den langen Feuerraum der Atlantic als auch eine zusätzliche Triebachse. Bahnen wechselten allmählich zu Pacifics für vielseitige Aufgaben und ließen Atlantics als Spezialistinnen für schnelle, ebene Strecken. In Großbritannien blieben Atlantics bis in die 1950er Jahre im Dienst für Schnellzüge und Boatzüge; manche französischen Exemplare hielten sich noch länger. Die meisten wurden zwischen 1925 und 1960 verschrottet, als Diesellokomotiven den Schnellzugverkehr übernahmen.
Die Atlantic existiert heute noch als Typbezeichnung in Eisenbahnmuseen und der Lokomotivgeschichte, aber neue Exemplare wurden nach den 1920er Jahren nicht mehr gebaut. Der Typ war eine spezifische Konstruktionslösung für das Problem, schwere Züge mit gleichmäßiger Geschwindigkeit auf gut unterhaltener Strecke zu ziehen. Als Bahnen ihre Prioritäten änderten oder die Streckenstandards sich verschoben, verschwanden die besonderen Vorteile der Atlantic.