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Luftfahrttechnik

ATO

Abkürzung für Assisted Take-Off.

ATO: zusätzlicher Schub wenn die Startbahn zu kurz ist

Ein Startschubhilfssystem (ATO) liefert zusätzlichen Schub beim Flugzeugstart durch das Verbrennen von Zusatzkraftstoff im Triebwerksabgasstrahl. Die häufigste Form nutzt Feststoffraketen oder flüssigkeitsbetriebene Raketenmotoren, die an Rumpf oder Tragflächen montiert sind und zünden, sobald der Pilot die Bremsen löst und die Haupttriebwerke starten. ATO ermöglicht es schweren Flugzeugen oder solchen von kurzen, hochgelegenen oder heißwarmen Flugplätzen, Fluggeschwindigkeit mit kürzerem Startlauf zu erreichen als die Haupttriebwerke allein bewirken könnten.

Der Begriff deckt mehrere technische Lösungen ab. RATO-Einheiten (Solid Rocket Assisted Takeoff) sind die älteste und einfachste Variante: extern angebrachte Behälter mit Festtreibstoff, die 10 bis 20 Sekunden brennen und dann abgesprengt werden. JATO (Jet-Assisted Takeoff) nutzt kleine Strahltriebwerke. Neuere Systeme integrieren die Schubverstärkung direkt in die Haupttriebwerke durch Wassereinspritzung oder chemische Zusatzstoffe im Treibstoff. Militärische Transporter und große Frachtvarianten setzten historisch auf externe Raketen; Verkehrsflugzeuge regeln dies üblicherweise durch Triebwerksdrosselung, Nutzlastbegrenzung oder längere Startbahnen.

Der Pilot oder das Flugmanagementsystem aktiviert das ATO beim oder kurz vor dem Startlauf. Das Zündzeitpunkt ist entscheidend, weil zu frühes Abbrennen den Schub verschwendet, wenn er am meisten gebraucht wird, während zu späte Zündung die Wirkungsdauer verkürzt. Nach dem Erschöpfen oder Abwerfen der Booster läuft das Flugzeug nur noch mit Haupttriebwerken weiter, daher muss der Pilot sicher sein, dass Flughöhe und Fluggeschwindigkeit zu diesem Zeitpunkt ausreichend sind. Diese Schubunterbrechung ist eine wichtige betriebliche Einschränkung.

Wann das Startschubhilfssystem notwendig ist

ATO wird in spezifischen Fällen erforderlich: Flugbetrieb von Flugplätzen über 5.000 Fuß Höhe, wo dünne Luft die Triebwerksleistung reduziert; Außentemperaturen über 30°C auf kurzen Startbahnen; maximales Strukturgewicht oder Zuladung zusammen mit Startbahnen unter 2.000 Metern; oder weiche Oberflächen wie Sand oder unausgebaute Pisten, die den Rollwiderstand erhöhen. Militärische Operationen in abgelegenen Einsatzgebieten und Ambulanzflüge von Bergflugplätzen sind regelmäßige Nutzer. Kommerzielle Betreiber vermeiden Aufwand und Komplexität durch einfache Reduktion der Zuladung oder Warten auf bessere Bedingungen.

Die moderne Luftfahrt hat sich vom ATO abgewandt, außer bei spezialisierten Militärtransportern und einigen noch in Betrieb befindlichen älteren Varianten. Fortschritte in der Triebwerkseffizienz, der Übergang zu zweimotorigen Großflugzeugen mit besseren Schub-Gewichts-Verhältnissen und strengere Umweltvorschriften haben die Attraktivität gemindert. Wo das System noch verwendet wird, müssen Wartungsteams Raketenbehälter auf Korrosion prüfen, elektrische Zündkreise vor jedem Einsatz überprüfen und die Logistik verbrauchter Booster-Behälter oder deren Bergung regeln. Der Begriff bleibt in den Betriebsverfahren und typspezifischen Schulungen für jedes mit dem System ausgestattete Flugzeug verankert.

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