Rückwärtsrollen
Englisch: backtrack
das Rollen auf einer aktiven Startbahn in die dem Startbetrieb entgegengesetzte Richtung
Backtrack: Rückwärtsfahrt auf der gerade genutzten Landebahn
Backtracking ist das Manöver, bei dem ein Flugzeug auf einer aktiven Landebahn in entgegengesetzter Richtung rollt und sich damit dem Startrichtung oder Landerichtung entgegengesetzt bewegt. Dies geschieht, nachdem ein Flugzeug einen Startversuch abgebrochen hat, einen Landeansatz verworfen hat oder gelandet ist und die Landebahn verlassen muss, aber die normale Rollwegführung ist blockiert oder nicht verfügbar. Das Flugzeug wendet am Landebahnende und rollt auf der gleichen Landebahnoberfläche zurück zum anderen Ende.
Die Flugverkehrskontrolle muss ein Backtracking-Manöver freigeben, denn die Landebahn ist technisch aktiv und andere Flugzeuge können sich im Anflug oder im Startverfahren befinden. Der Pilot fordert das Backtracking an, und die ATC erteilt eine Freigabe nur dann, wenn kein anderes Flugzeug im Anflug, im Endanflug oder auf Startfreigabe wartend auf dieser Landebahn ist. Viele Flughäfen verbieten Backtracking auf stark frequentierten Landebahnen völlig wegen Sicherheits- und Effizienzbedenken. Auf parallelen Landebahnen oder auf kleineren Flughäfen ist das Manöver leichter zu koordinieren.
Wann Backtracking notwendig ist
Abgebrochene Starts sind der häufigste Grund. Ein Flugzeug erreicht die Rotationsgeschwindigkeit, der Pilot erkennt einen technischen Fehler, eine Instrumentenabweichung oder einen Motorschaden und bricht den Start noch vor dem Abheben ab. Das Flugzeug befindet sich jetzt irgendwo auf einer 10.000 Meter langen Landebahn und muss anhalten, ggf. abkühlen und dann zur Vorfeldfläche zurückfahren. Statt auf einen Schlepper zu warten oder einen nicht flugfähigen Motor zu betreiben, kann der Pilot Backtracking anfordern, bremst zum Stillstand und rollt dann mit Leerlaufleistung zurück. Verworfene Landungen sind seltener, erfordern aber ebenfalls Backtracking, wenn das Flugzeug landet, der Pilot die Landung beim Ausrollen rückgängig macht und die Landebahnabfahrt blockiert ist.
Backtracking erhöht die Oberflächenabnutzung und Bremstemperatur des Flugzeugs und verzögert den übrigen Flugverkehr, der diese Landebahn nutzen möchte. Der Zustand der Landebahnoberfläche ist wichtig: Nasse, verschmutzte oder vereiste Landebahnen machen Backtracking riskanter, denn die Bremsleistung ist vermindert und die Richtungskontrolle unsicherer. Piloten müssen vor Annahme einer Backtrack-Freigabe ausreichende verbleibende Landebahnlänge hinter sich und gute Sicht entlang der Landebahn bestätigen. Reibung und Seitenkräfte auf den Reifen beim Wenden und Rückwärtsfahren sind auch höher als beim normalen Rollen, sodass auf manchen Flugzeugtypen Gewichts- und Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten können.
Der Begriff kommt von der wörtlichen Umkehrung der Flugstrecke, das heißt, das Zurückverfolgen des bereits bewältigten Weges aber in entgegengesetzter Richtung. Es unterscheidet sich vom Pushback, das einen Schlepper nutzt, und vom Go-Around, das ist ein während des Fluges verworfener Landeversuch. Backtracking ist eine betriebliche Realität auf allen Landebahnen, wird aber auf großen Hub-Flughäfen sorgfältiger gehandhabt, wo die Flugzeugdichte es operativ teuer macht und wird während Spitzenlastzeiten oft einfach verboten.