BBS
Abkürzung für Bulletin Board System oder Bulletin Board Service.
BBS: Wählnetz-Nachrichtensystem vor dem Internet
Ein Bulletin Board System ist ein Computer mit spezieller Software, der eingehende Modemaufrufe über Telefonleitungen annimmt und es Benutzern ermöglicht, sich anzumelden, Nachrichten zu lesen und zu schreiben sowie Dateien auszutauschen. In Elektrotechnik und Telekommunikation bezeichnet BBS sowohl die Server-Software als auch den von ihr bereitgestellten Dienst. Die ersten Systeme entstanden Mitte der 1970er Jahre, typischerweise auf Mikrocomputern wie dem Apple II oder Commodore 64, und liefen rund um die Uhr, um ständig Aufrufe zu bearbeiten. Ein einzelnes BBS konnte je nach Anzahl der Modems, die der Betreiber sich leisten konnte, eine handvoll engagierter Benutzer oder mehrere tausend Nutzer bedienen.
Die typische Hardware-Konfiguration bestand aus einem Personal Computer, einem oder mehreren Modems (oft externe Geräte, verbunden über RS-232-Schnittstelle), Telefonleitungen und Massenspeicher auf Festplatten oder Magnetband. Das Modem beantwortete eingehende Aufrufe, handelte Verbindungsparameter mit Geschwindigkeiten von 300 Baud in den Anfangstagen bis 56 kbps in den 1990ern aus und leitete den Anrufer an die BBS-Software weiter. Diese verwaltete Benutzerkonten, Dateiverzeichnisse, nach Themen organisierte Nachrichtenforen und teilweise primitive Chat- oder Spielefunktionen. Die meisten Systeme waren kostenlos; Betreiber finanzierten sie durch persönliche Ausgaben oder lokale Geschäftssponsoring.
Technischer Betrieb und Varianten
Benutzer verbanden sich über ein Terminal-Programm oder eine Kommunikationssoftware auf ihrem heimischen Computer, wählten die BBS-Telefonnummer und warteten auf den Modem-Handshake. Verbindungszeiten wurden minutengenau gemessen, was längere Sitzungen für Anrufer mit Minutengebühren teuer machte. Multi-Line-BBSe nutzen mehrere Modems und Telefonnummern, um mehrere gleichzeitige Anrufer anzunehmen; einige Systeme wurden zu regionalen Vermittlungshubs, die Nachrichten zwischen anderen BBSen über automatisierte Protokolle wie UUCP oder FidoNet weiterleiteten und damit ein dezentrales E-Mail- und Nachrichtennetztwerk vor dem Standard TCP/IP schufen. Spezialisierte Varianten existierten für bestimmte Branchen: technische Support-BBSe von Hardware- und Softwareanbietern, Amateurfunk-Bulletin-Boards für Notfallkommunikation und branchenspezifische Informationssysteme, betrieben von Berufsverbänden.
Das BBS ging Mitte der 1990er Jahre stark zurück, als Internet Service Provider schnelleren, ständig verfügbaren Zugang anboten und das World Wide Web textbasierte Nachrichtenforen ablöste. Allerdings liefen einige bis in die 2000er Jahre weiter, besonders in Hobbyisten-Communities und als Nostalgie-Plattformen. Die elektrotechnische Bedeutung lag nicht in der Langlebigkeit der Technologie, sondern in ihrer Rolle als Testplattform für Modem-Protokolle, serielle Kommunikationsstandards und die ersten verbrauchergerichteten Datennetze. Für Techniker und Ingenieure jener Zeit bedeutete das Betreiben oder Troubleshooting eines BBS praktische Erfahrung mit Modems, RS-232-Signalisierung, Datenübertragungsfehlerkorrekturen und den praktischen Herausforderungen kontinuierlicher Systemverfügbarkeit.