Bo-Bo
Radsatzanordnung bei Diesel- und Elektrolokomotiven mit vier angetriebenen Achsen auf zwei Drehgestellen.
Bo-Bo: vier angetriebene Achsen, zwei Drehgestelle, Standard-Lokomotive der Moderne
Eine Bo-Bo-Lokomotive hat zwei angetriebene Drehgestelle (Radsätze), jeweils mit zwei angetriebenen Achsen. Die Schreibweise stammt aus der Eisenbahn-Klassifizierung: jeder Buchstabe steht für eine nicht angetriebene Achse, jede Ziffer für eine angetriebene Achse. Bo-Bo bedeutet also nicht angetrieben-zwei angetrieben, nicht angetrieben-zwei angetrieben. Das Ergebnis ist eine vier-achsige Maschine, bei der alle vier Räder Zugkraft auf die Schiene übertragen.
Diese Anordnung wurde in Diesel-elektrischen und elektrischen Eisenbahnflotten ab der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts zum Standard, weil sie Haftwert, Verschleiß und Achsbelastung ausgewogen gestaltet. Mit allen vier angetriebenen Achsen erzeugt die Lokomotive große Zugkraft im Verhältnis zu ihrem Gewicht, was für Güterzüge und schnelle Personenverkehre entscheidend ist. Die zwei unabhängigen Drehgestelle ermöglichen es der Lokomotive, Kurven sanft zu fahren; jedes Drehgestell schwenkt unabhängig, anstatt die gesamte Radsatzfolge um eine Kurve zu zwingen. Typische Bo-Bo-Maschinen wiegen zwischen 60 und 100 Tonnen und arbeiten üblicherweise auf Hauptstrecken und im Rangierbetrieb.
Die Motoranordnung unterscheidet sich zwischen Diesel- und Elektrovarianten. Eine Diesel-elektrische Bo-Bo nutzt einen Dieselmotor, der einen Stromgenerator oder eine Lichtmaschine antreibt, die vier Fahrmotoren speist, einen pro Achse. Elektrische Bo-Bo-Maschinen beziehen Strom aus Oberleitung oder Schiene und führen diesen Strom direkt zur gleichen Fahrmotoranordnung. Beide Bauarten sind auf unabhängige Achsmotoren angewiesen, um die Kraft gleichmäßig zu verteilen und Radschlupf bei der Beschleunigung zu verhindern.
Bo-Bo in der Lokomotiv-Hierarchie
Einfachere Radsatzfolgen wie Co-Co (sechs angetriebene Achsen) bieten mehr Haftwert für schwere Güterzüge, sind aber weniger wendig und belasten das Gleis stärker. Vier-Rad-Anordnungen (B-B) verringern die Achsenzahl, erzeugen aber überproportional höhere Achslasten. Bo-Bo ist ein praktischer Kompromiss: ausreichend Leistung und Grip für die meisten Eisenbahn-Aufgaben, akzeptable Verschleißmuster und vertretbarer Wartungsaufwand. Die meisten modernen Rangier- und Regional-Personenlokomotiven sind Bo-Bo oder Co-Co.
Die Bezeichnung wird weltweit einheitlich verwendet: British Rail, französische SNCF, deutsche DB und japanische Staatsbahnen betrieben alle Bo-Bo-Flotten. Die Klassifizierung bleibt relevant, weil das Grundprinzip, dass unabhängig angetriebene Achsen Haftwert und Spurverhalten verbessern, bis heute gültig ist. Bo-Bo als Typ zu verstehen bedeutet, dass man es mit einer Maschine zu tun hat, die erhebliche Zugkraft aufbringt, für Güter- oder Mischverkehr geeignet ist und mechanisch weniger anspruchsvoll als sechs-achsige Alternativen.