Leihentnahmestelle
Englisch: borrow pit
Eine Grube, aus der Material wie Boden, Kies oder Sand gewonnen wird, um es an anderer Stelle zu verwenden.
Materialentnahmestelle: eine Grube zur Versorgung einer Baustelle
Eine Materialentnahmestelle ist eine Abgrabung, aus der Boden, Kies, Sand oder Ton entnommen und woanders als Füllmaterial oder Untergrund verwendet werden, typischerweise auf einem nahegelegenen Bauprojekt. Das gewonnene Material wird zur "Entnahme", daher der Name. Die Grube selbst ist temporär und besteht nur für die Dauer der Abbautätigkeit. Sie liegt normalerweise so nah wie praktisch möglich am Verwendungsort, um Transportkosten und Zeitaufwand zu minimieren.
Materialentnahmestellen sind unverzichtbar für Projekte, bei denen Füllmaterial benötigt wird, das vor Ort nicht wirtschaftlich verfügbar ist. Eine Baugrube, die um 2 bis 3 Meter angehoben werden muss, ein Straßendamm oder eine Dammgründung können Tausende Kubikmeter verdichteten Bodens erfordern. Statt Material aus einem kommerziellen Steinbruch 50 Kilometer entfernt anzufahren, erschließen Unternehmer eine Materialentnahmestelle wenige Kilometer entfernt und bauen das Nötige ab. Das Material muss Vorgaben für Körnung, Plastizität und Verdichtungseigenschaften gemäß seiner beabsichtigten Verwendung erfüllen.
Standortwahl umfasst die Bodenerkundung und die Einholung von Genehmigungen bei Grundbesitzern und Umweltbehörden. Der Grubenunternehmer muss sicherstellen, dass das gewonnene Material für die vorgesehene Anwendung geeignet ist. Die Überdeckung, also die oberste Schicht ungeeigneten Bodens, muss zunächst abgetragen und gelagert oder entfernt werden. Der Abbau erfolgt typischerweise in Schichten, wobei Material direkt in Lastkraftwagen geladen oder zwischengelagert und dann verladen wird. Die Grundwasserwirtschaft ist entscheidend: liegt der Grundwasserspiegel hoch, kann Pumpen erforderlich sein, um die Grube befahrbar zu halten.
Häufige Probleme entstehen, wenn sich während des Abbaus herausstellt, dass das Material ungeeignet ist, was entweder aufwendige Umarbeiten oder Zusatzbeschaffung anderswo erfordert. Materialentnahmestellen können auch Regenwasser sammeln und bei fehlender Wartung zur Gefahr werden. Aufgegebene Gruben werden zu Umweltrisiken, locken illegale Ablagerungen an und schaffen Gefahren durch unbefugtes Betreten. Daher sind Rekultivierung und Geländeausgleich beim Projektabschluss notwendig.
Der Begriff erscheint in Tiefbauverträgen, Geländevermessungen und geologischen Berichten. Lage und Volumen von Materialentnahmestellen werden in der Vorplanung festgelegt, um die Materialbilanz und Logistik abzuschätzen. Bei großen Infrastrukturprojekten können mehrere Materialentnahmestellen genutzt werden, wenn eine erschöpft ist. Ist Material vor Ort im Überschuss vorhanden, kann es als Füllmaterial verwendet werden, ohne zu borgen. Dies senkt Kosten und den Umwelt-Fußabdruck des Projekts.