Knospenveredelung
Englisch: budding
Das Vereinigen einer einzelnen Edelknospe mit einer Unterlage oder Rinde.
Okulation: Veredelung mit einer einzelnen Knospe statt eines ganzen Triebes
Die Okulation ist ein Vermehrungsverfahren, bei dem eine einzelne schlafende Knospe, auch Edelreis genannt, unter die Rinde einer Unterlage eingesetzt und fixiert wird, um dort auszuwachsen. Im Gegensatz zur Kopulation, die größere holzige Teile verbindet, verwendet die Okulation nur eine Knospe von einem reifen Trieb der gewünschten Sorte. Die Knospe verwächst mit der Unterlage durch Kallausbildung, und nach erfolgreichem Anwachsen wächst sie zu einer neuen Pflanze heran, die die Wuchskraft oder Krankheitsresistenz der Unterlage mit den Frucht- oder Blüteneigenschaften des Edelreises verbindet.
Das Verfahren beginnt mit einem T-förmigen oder schildförmigen Schnitt durch die Rinde der Unterlage, typischerweise an jungen Trieben mit einem Durchmesser zwischen 5 und 15 Millimetern. Eine einzelne schlafende Knospe mit einem kleinen Rindenschild und darunter liegendem Holz, das sogenannte Knospenholz, wird vom Edelreis abgeschnitten und in diese Öffnung eingeführt. Die Knospe sitzt an der freigelegten Holzschicht, dem Kambium. Die Wunde wird dann fest mit Veredlungsband, Gummistreifen oder gewachstem Tuch umwickelt, um Luft auszuschließen und die Knospe sicher zu halten.
Die Okulation gedeiht in warmen Jahreszeiten, wenn sich die Rinde leicht vom Holz ablöst, üblicherweise im Spätsommer in gemäßigten Klimazonen. Kommerzielle Obstanlagen setzen stark auf die Okulation, da sie schneller als Mehraugenkopulationen ist, weniger Edelreismaterial verbraucht und auf einer breiteren Palette von Unterlagesorten erfolgreich angewendet werden kann. Steinobstbäume, Äpfel, Zitrusfrüchte und Rosen werden in Baumschulen routinemäßig okuliert; ein erfahrener Arbeiter kann pro Stunde dutzende Knospen verarbeiten. Die Knospe bleibt über den Winter schlafend und treibt im folgenden Frühling aus, oder sie wird durch das Zurückschneiden der Unterlage über ihr zum sofortigen Austreiben gebracht.
Varianten und Schwierigkeiten
Bei der Chipokulation wird ein rechteckiger Span von Edelreis und Unterlage geschnitten und zusammengefügt, ohne auf die Rindenablösung angewiesen zu sein; dies funktioniert, wenn sich die Rinde nicht leicht ablöst, und verlängert die Okulationszeit. Die Flächenokulation entfernt ein größeres Rindenviereck und Holz, nützlich bei dickrindigen Arten. Die Erfolgsquote hängt von der Kambiumkontaktfläche, der Unterlagesortenvitalität, der Umgebungstemperatur und dem Schädlingsdruck ab. Okulationserfolgsquoten von 70 bis 90 Prozent sind unter kontrollierten Bedingungen typisch; Fäulnis, Insektenschaden oder ungünstiger Zeitpunkt können den Erfolg erheblich verringern. Der Begriff Okulation in der Gartenbaupraxis unterscheidet sich von der biologischen Knospung bei der ungeschlechtlichen Vermehrung von Hefezellen oder Hydren.
Die Okulation ist im europäischen Obstbau seit mindestens dem 17. Jahrhundert dokumentiert und bleibt die dominierende Vermehrungsmethode für benannte Obstsorten, wo genetische Identität dem Anbau aus Samen vorgezogen wird. Sie bewahrt die exakte genetische Identität über Millionen von Pflanzen hinweg, was für kommerzielle Gleichmäßigkeit unerlässlich ist. Das Verfahren steht an der Schnittstelle von Baumschulpraxis, Züchtungsstrategie und Obstbauökonomie; ohne die Okulation würde die Infrastruktur der Obsterzeugung nicht funktionieren.