Call Delay
Englisch: call delay
Verzögerung, die auftritt, wenn ein Anruf an einer automatischen Vermittlungsanlage ankommt und kein Kanal oder keine Einrichtung sofort zur Verfügung steht.
Anrufverzögerung: Wartezeit beim Verbindungsaufbau, wenn alle Kanäle besetzt sind
Anrufverzögerung ist das Zeitintervall zwischen dem Eintreffen eines Anrufs bei einer automatischen Vermittlungsstelle und dem Moment, in dem ein freier Kanal zur Verfügung steht, um ihn zu bearbeiten. Bei der Telefonschwermittlung, ob elektromechanisch oder digital, verschwinden Anrufe nicht, wenn alle Verbindungsleitungen und Schaltkreise belegt sind. Stattdessen bilden sie eine Warteschlange: Die Vermittlungseinrichtung hält das Eingangssignal und wartet. Die Anrufverzögerung misst, wie lange diese Wartezeit dauert, bis die Vermittlung eine freie Leitung erfasst und mit der Verarbeitung des Anrufs beginnt.
Die Dauer der Anrufverzögerung hängt direkt von der Verkehrslast und der Systemkapazität ab. Eine kleine Ortsschaltanlage mit zehn Verbindungsleitungen erfährt in Spitzenzeiten längere Verzögerungen als ein regionales Vermittlungszentrum mit Hunderten von Schaltkreisen. Anrufverzögerung ist nicht das Gleiche wie Nachwahlverzögerung, die nach dem Beenden des Wählens durch den Anrufer auftritt und die Vermittlung die Verbindung zum Ziel leitet. Anrufverzögerung tritt vor jeder Weiterleitung auf; sie ist reine Warteschlangenverzögerung.
Messung und Toleranz
Telekommunikationsnormen legen maximal zulässige Anrufverzögerungen fest. Die frühe Bell System Praxis sah vor, dass Verzögerungen über drei bis fünf Sekunden Benutzer unwohl machten und sie wahrscheinlich zum Auflegen führten. Moderne digitale Vermittlungen bewältigen Anrufankunft und Warteschlangenverwaltung in Millisekunden, daher deutet messbare Anrufverzögerung heute üblicherweise auf echte Überlastung hin, nicht auf Systemlatenzen. Telekommunikationsingenieure verfolgen Anrufverzögerungsstatistiken, um Verbindungsgruppen zu bemessen und zu ermitteln, wann die Netzwerkkapazität erweitert werden muss.
Anrufverzögerung war ein kritischer Designparameter in elektromechanischen Vermittlungsnetzen. Drehwähler konnten jeweils nur einen Anruf pro Schaltkreisgruppe verarbeiten, daher erzeugte starker Verkehr spürbare Wartezeiten. Moderne Paketvermittlungsnetze haben Anrufverzögerungen in städtischen Bereichen weitgehend eliminiert, sie bleibt aber relevant in ländlichen Netzen, in noch in Betrieb befindlichen Altsystemen und in überlasteten Mobilfunknetzen während Notfällen oder größeren Ereignissen, wenn das Anrufvolumen die geplante Kapazität übersteigt.