Candroy
Englisch: candroy
Eine Maschine zum Ausbreiten oder Abwickeln von Baumwollstoffen zur Vorbereitung zum Bedrucken.
Candroy: Viktorianische Baumwoll-Ausbreitmaschine zur Druckvorbereitung
Ein Candroy war eine spezialisierte Maschine in der Baumwolltextilveredlung, um Stoffe abzuwickeln und vor dem Block- oder Walzendruck gleichmäßig über die volle Breite auszubreiten. Das Gerät hielt eine Rolle gewebter Baumwollware und gab sie unter kontrollierter Spannung allmählich frei, sodass die Bediener sie flach und ausgerichtet auf einem Tisch oder Rahmen zum Druck auslegen konnten. Ohne diesen Schritt würden Falten, Knitterungen oder ungleichmäßige Spannung im Stoff zu ungleichmäßigem Farbauftrag und zur Verschwendung teurer Druckformen führen.
Die Maschine bestand aus einer horizontal gelagerten Spindel oder Walze über einem Arbeitstisch, ausgestattet mit verstellbaren Führungen und Spannrollen zur Kontrolle der Stoffbreite. Während der Bediener den Mechanismus per Hand oder Antrieb betätigte, wickelte sich der Stoff gleichmäßig ab, und die Breite konnte mit Seitenstangen oder Kantenschienen reguliert werden. Ältere Modelle liefen von Hand, später verwendete man Dampf- oder Maschinenantrieb. Der Name leitet sich vermutlich vom französischen candré ab, was gekräuselt oder gerippt bedeutet und das gelöste Problem widerspiegelt.
Candroys wurden von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die frühen 1900er Jahre am häufigsten eingesetzt, als Hand- und frühe Zylinderdruck in britischen und kontinentalen Baumwollmühlen dominierten. Die Maschine war besonders verbreitet in Lancashire sowie in französischen und Schweizer Druckereien, wo feine Baumwollwaren präzise Vorbereitung erforderten. Mit der Etablierung von durchgehenden automatisierten Drucklinien und breiteren Webmaschinen Mitte des 20. Jahrhunderts verschwanden dedizierte Candroys aus dem Gebrauch; moderne Ausbreit- und Drucksysteme vereinten diese Schritte effizienter.
Der Candroy nahm eine Mittelposition zwischen reinem handgestütztem Ausbreiten und vollautomatisierten Systemen ein. Bediener mussten die Spannung beherrschen, Knitterungen vermeiden und die Breite halten, ohne das Gewebe zu verformen. Ein schlecht ausgebreiteter Stoff konnte beim Druck verhaken oder verrutschen, was zu Schäden an Druckformen oder Farbverschwendung führte. Das Gerät verkörperte ein in der Textilfertigung häufiges Muster: eine einzelne, manuelle Aufgabe in eine spezialisierte Maschine zu transformieren, um Konsistenz bei teuren Materialien zu garantieren.