Kronendach
Englisch: canopy
Zone des höchsten Laubwerks und der Äste eines Waldes.
Kronendach: die Blattdecke des Waldes und ihr Messproblem
In der Forstwirtschaft ist das Kronendach die durchgehende oder nahezu durchgehende Schicht aus Laub und Ästen, die von den Kronen ausgewachsener Bäume gebildet wird, typischerweise 20 bis 40 Meter über dem Waldboden, je nach Baumart und Standortsgüte. Es ist die oberste Schicht eines Waldbestands und der Hauptabfänger von Sonnenlicht, Niederschlag und Wind. Das Verständnis der Kronendachstruktur und -dichte ist zentral für die Holzertragsprognose, die Lebensraumbeurteilung und die Waldplannung.
Die Kronendachdichte wird als Kronenschluss oder Kronenschirmfläche gemessen und in Prozent der Bodenfläche ausgedrückt, die von Baumkronen überschattet wird, wenn man von oben auf den Wald blickt. Ein Schluss von 70 bis 100 Prozent zeigt ein geschlossenes Kronendach an; unter 40 Prozent gilt der Wald als offen. Forstleute schätzen dies mit bloßem Auge mithilfe von Densiometerplots oder Hemisphärenfotografie, Verfahren, die direkt die Ernteplanung und Verjüngungsstrategie beeinflussen. Dichte Kronendächer unterdrücken die Untervegetation und verringern die Naturverjüngung; offene Kronendächer ermöglichen Lichteintritt und früheres Wachstum von Ersatzbäumen.
Kronendachstruktur und Holzwert
Die Kronendacharchitektur variiert je nach Waldtyp. In gleichaltrigen Beständen erreichen die Bäume ähnliche Höhen und bilden eine einzige, gleichmäßige Kronenschicht. In ungleichaltrigen oder Naturwäldern existieren mehrere Schichten: ein oberes Kronendach dominanter Bäume, ein mittleres Kronendach intermediärer Kronen und ein unteres Kronendach unterdrückter Stämme. Diese Schichtung beeinflusst sowohl das Volumen als auch die Qualität des gewinnbaren Holzes; dominante Bäume wachsen gerader und größer, während Bäume des mittleren und unteren Kronendachs oft gekrümmt, knorrig oder unverkäuflich sind.
Kronenlücken, entstanden durch Windwurf, Krankheit oder Holzschlag, sind kritisch für die Walddynamik. Eine Lücke von 100 bis 400 Quadratmetern ermöglicht ausreichend Licht für die Ansiedlung schattenunerträglicher Arten; kleinere Lücken füllen sich eher mit schattentoleranten Arten oder Pionierwinden. Lückengröße und Häufigkeit beeinflussen, ob sich ein Wald natürlich verjüngt oder gepflanzt werden muss. Holzaufseher und Forstplaner kartieren routinemäßig Kronenlücken, um das potenzielle Wachstum zu schätzen und Schlagumtriebe zu planen.
Der Begriff stammt vom Stoffbaldachin über einem Bett oder einem Zelt: eine Schutzbedeckung. In der Forstwirtschaft kam er im 20. Jahrhundert in den allgemeinen Sprachgebrauch, als Luftbildfotografie und Vermessung zu Standardwerkzeugen wurden. Verwandte Begriffe sind Oberschicht (das eigentliche Kronendach), Unterschicht (Sträucher und kleine Bäume darunter) und Krone, die sich auf die Laubmasse eines einzelnen Baumes bezieht, nicht auf die kollektive Schicht.