Gegendruck
Englisch: counterproof
Das umgekehrte Bild eines Originalabdrucks.
Gegenprobe: ein umgekehrter Testdruck zur Überprüfung der Bildübertragung
Eine Gegenprobe ist ein Sekundärdruck, der entsteht, indem man einen frischen Probedruck mit der bedruckten Seite nach unten auf sauberes Papier presst und dadurch ein seitenverkehrtes Spiegelbild des Originals überträgt. Das Verfahren zeigt, was tatsächlich von der Druckform übertragen wurde, und macht Tinteneverteilung und Überdeckungsmuster sichtbar, die auf dem Originalabzug selbst möglicherweise nicht offensichtlich sind. Das umgekehrte Bild ermöglicht es Druckern, Mängel, ungleichmäßige Einfärbung und Registerprobleme zu erkennen, die auf der ursprünglichen Probeorientierung verborgen oder missinterpretiert sein könnten.
Das Verfahren funktioniert am besten mit feuchter oder klebriger Farbe. Nach dem ersten Probeabzug wird das bedruckte Blatt bei noch feuchter Farbe umgeklappt und mit der bedruckten Seite nach unten auf frisches Papier gelegt, dann erneut durch die Presse gefahren oder von Hand mit ausreichendem Druck gepresst, um einen Kontakt herzustellen. Das Ergebnis ist ein umgekehrtes, typischerweise schwächeres Geisterbild, das als Diagnosewerkzeug dient. In der Lithografie und im Buchdruck sind Gegenproben seit langem ein Standard für die Qualitätskontrolle und die künstlerische Überprüfung vor dem Beginn von Druckauflagen.
Häufige Anwendungen und Grenzen
Gegenproben sind besonders wertvoll in der künstlerischen Druckgrafik, wo Künstler Tonalität, Strichstärke und Farbsättigung in Spiegelform vor dem Drucken einer Auflage beurteilen müssen. Sie werden auch in der kommerziellen Offsetarbeit verwendet, um die Farbaufnahme auf der Platte oder dem Gummituch zu überprüfen. Das umgekehrte Bild verhindert, dass das Auge des Betrachters durch gestalterische Vertrautheit getäuscht wird. Da Gegenproben jedoch von Natur aus heller sind als der ursprüngliche Probedruck, eignen sie sich schlecht zur Erkennung subtiler Tonverschiebungen oder feiner Details. Getrocknete oder sehr steife Farbe wird sich nicht effektiv übertragen lassen, daher ist das richtige Timing entscheidend.
Der Begriff kommt vom lateinischen Präfix contra, das gegen oder entgegengesetzt bedeutet, kombiniert mit Probe. Er bedeutet wörtlich eine Probe, die gegen die erste gemacht wird oder ihr entgegengesetzt ist, und unterstreicht damit seine diagnostische Rolle als Überprüfungs- oder Verifikationsmethode statt als fertiges Produkt. In manchen Druckwerkstätten wird die Gegenprobe auch Doppel oder Gegenabzug genannt, obwohl diese Begriffe weniger präzise sind.