Cut-and-Cover-Verfahren
Englisch: cut and cover
Ein Verfahren zum Bau eines Tunnels durch Ausheben eines Grabens, Erstellung der Tunnelwände darin und Wiederauffüllung des Grabens mit Erde.
Cut and Cover: Flacher Tunnel, von der Oberfläche nach unten gebaut
Cut and Cover ist ein Flachbohr-Verfahren, bei dem Arbeiter einen offenen Graben von der Oberfläche aus ausheben, die Tunnelkonstruktion am Boden dieses Grabens errichten und dann darüber wieder verfüllen. Der fertige Tunnel liegt typischerweise 5 bis 15 Meter unter der Geländeoberfläche. Im Gegensatz zu Tiefbohr-Verfahren, die blind von unten tunneln, können die Arbeitskolonnen bei Cut and Cover tagsüber mit voller Sicht, Kontrolle und Zugang zum ausgehobenen Material arbeiten.
Der Prozess beginnt mit der Baugrubenherstellung: ein Graben breit genug für die Tunnelwände plus Arbeitsraum, oft 2 bis 3 Meter breiter als der Tunnel selbst. Die Arbeiter errichten dann die Tunnelschale, üblicherweise aus Stahlbeton mit Betonsohle, Seitenwänden und einer bewehrten Betondecke. Die Decke wird die tragende Struktur; nach dem Aushärten wird der Graben mit Aushubboden oder importiertem Boden verfüllt, schichtweise verdichtet. Leitungen und Straßenoberflächen werden dann darüber wieder hergestellt.
Cut and Cover eignet sich für flache U-Bahn-Tunnel im städtischen Raum, unterirdische Parkplätze, Fußgängerunterführungen und Servicetunnel unter Straßen oder Eisenbahnen. Es funktioniert besonders gut, wenn der Untergrund stabil genug ist, um provisorische Grabenwände zu tragen und wenn der Verkehrsaufwand zwar erheblich ist, aber über Wochen oder Monate statt Jahre bewältigt werden kann. Tiefere Tunnel oder solche unter dem Grundwasserspiegel erfordern Verbauelemente, Grundwasserabsenkung oder Schlitzwände, um Einstürze zu verhindern.
Vor- und Nachteile sowie Grenzen
Der größte Nachteil des Verfahrens ist die Beeinträchtigung an der Oberfläche. Ein Cut and Cover-Tunnel für eine U-Bahn-Linie kann Straßen sperren oder den Bahnverkehr über längere Zeit blockieren. Die Kosten dieser Beeinträchtigung zusammen mit provisionalen Stützmaßnahmen, Grundwasserabsenkung und der notwendigen sorgfältigen Bodenkontrolle um benachbarte Bauwerke können die Einsparungen durch schnellere Bauzeit gegenüber konventionellen Schildvortriebverfahren aufzehren oder übersteigen. Bodensetzer (Bodensenkung) um die Baugrube bleibt ein hartnäckiges Risiko, es sei denn, Grundwasserabsenkung und Verdichtung sind gewissenhaft durchgeführt.
Der Name selbst ist klar: man gräbt den Graben, dann deckt man ihn zu. Cut and Cover bleibt Standard für flache U-Bahn-Linien in dichten Städten, von Londons District Line (1860er Jahre) bis zu modernen Ausbauten weltweit. Es verlangt enge Abstimmung zwischen den Tiefbauteams, Versorgungsträgern, Verkehrsmanagement und Stadtverwaltung, aber es bleibt eine der schnellsten Methoden, einen flachen Tunnel in tragfähigem Untergrund mit vertretbarem Oberflächenrisiko zu bauen.