Daughterboard
Englisch: daughterboard
Eine Leiterplatte, die als Erweiterung eines Motherboards oder einer anderen Karte fungiert.
Tochterplatine: eine Steckkarte, die eine Hauptplatine erweitert
Eine Tochterplatine ist eine kleinere Schaltungskarte, die sich auf eine größere Platine, typischerweise eine Motherboard oder Backplane, steckt und von dieser mit Spannung und Kommunikation versorgt wird. In der Energie- und Versorgungstechnik übernehmen Tochterplatinen Spezialfunktionen, die die Hauptplatine nicht bewältigt: Messung, Schutzrelais, Signalaufbereitung oder Protokollkonvertierung für Kommunikation. Die Platine sitzt senkrecht oder waagerecht in einem Steckplatz und arbeitet als integraler Bestandteil des übergeordneten Systems, nicht als eigenständiges Gerät.
Der Name spiegelt die funktionale Beziehung wider. Die Motherboard (oder übergeordnete Karte) bildet die Grundlage, die Tochterplatine ist ihr untergeordnet. Anders als eine Erweiterungskarte in Consumer-Elektronik kann eine Tochterplatine typischerweise nicht eigenständig arbeiten und ist oft gelötet oder fest verriegelt, um industrielle Zuverlässigkeit zu gewährleisten. In Schaltanlagensystemen oder Stromverteilungsanlagen kann eine einzelne Motherboard mehrere Tochterplatinen aufnehmen, die jeweils eine bestimmte Funktion hinzufügen, wie etwa Analog-Eingangisolation, digitale Ausgangssignalisierung oder Feldbus-Gateway-Funktionen.
Typische Konfigurationen in der Versorgungstechnik
Ein typisches Beispiel ist eine Multifunktions-Relaisplatine, bei der die Hauptverarbeitungsplatine separate Signalaufbereitungs-Tochterplatinen aufnimmt, die auf verschiedene Spannungs- oder Strombereich abgestimmt sind. Ein weiteres Beispiel ist ein Kommunikationsmodul: eine Schutzrelais-Motherboard kann eine Tochterplatine aufnehmen, die Ethernet in das IEC-60870-5-104-Protokoll für veraltete SCADA-Systeme konvertiert. Tochterplatinen werden auch in Messplattformen verwendet, bei denen die Hauptmesseinrichtung Energieberechnungen durchführt und eine Tochterplatine Impulsausgänge oder Modbus-Kommunikation bereitstellt.
Ausfälle entstehen gewöhnlich durch Temperaturwechsel, lockere Steckverbinder oder inkompatible Firmware zwischen den Platinen. Die Verbindung selbst, egal ob DIN-Stecker, Steckplatz oder proprietärer Kopfleistenstecker, ist eine mögliche Fehlerstelle, da Vibration oder Feuchtigkeitseintritt die Kontaktwiderstandsqualität verschlechtert. Bei der Fehlersuche müssen Techniker sicherstellen, dass die Tochterplatine vollständig eingesteckt ist und dass ihre Firmware-Version zur Motherboard-Generation passt.
Tochterplatinen halten die Systemkosten überschaubar, indem sie Herstellern ermöglichen, eine Basisplattform mit optionalen Modulen anzubieten, anstatt völlig separate Geräte zu entwickeln. Sie vereinfachen auch die Ersatzteilverwaltung bei Feldeinätzen: ein Versorgungsunternehmen kann gängige Motherboards lagern und je nach Anwendungsbedarf Tochterplatinen hinzufügen, anstatt vollständige Geräte für jedes mögliche Schutz- oder Messszenario einzulagern.