Morgenrauschen
Englisch: dawn chorus
Funkstörung, die manchmal bei Sonnenaufgang auftritt.
Morgengesang: Funkstörung, die bei Sonnenaufgang ihren Höhepunkt erreicht
Der Morgengesang ist ein Ausbruch von Breitband-Funkstörungen, die den Lang- und Mittelwellenempfang in der ersten oder zweiten Stunde nach Sonnenaufgang beeinträchtigen, besonders in gemäßigten Breiten im Frühling und Herbst. Die Störung äußert sich als Knistern oder Rauschen, das schwache Signale überlagert und allmählich verblasst, wenn die Sonne höher steigt. Das Phänomen wurde in den 1920er Jahren erstmals systematisch dokumentiert, als der Langwellenfunk noch neu war. Der Name spiegelt sein plötzliches, chorartiges Auftreten jeden Morgen wider.
Die Interferenz stammt von natürlichen Störungen in der Ionosphäre. Wenn die Sonne aufgeht, ionisiert die Sonnenstrahlung die D-Schicht der Ionosphäre ungleichmäßig und erzeugt turbulente Regionen, die Funkrauschen in einem breiten Frequenzband ausstrahlen, typischerweise zwischen 10 kHz und mehreren MHz. Die Störung ist in der Stunde nach Sonnenaufgang am stärksten und kann das Signal-Rausch-Verhältnis um 10 bis 20 dB oder mehr reduzieren, wodurch entfernte Sender trotz günstiger Ausbreitungsbedingungen vorübergehend nicht lesbar werden.
Der Morgengesang wirkt sich mit unterschiedlicher Stärke auf verschiedene Frequenzbänder und Standorte aus. Langwellen-Navigationssysteme für die Seeschifffahrt und Mittelwellen-AM-Rundfunkempfang leiden besonders in Nordeuropa und Nordamerika während der Frühlings- und Herbstäquinoxen, wenn der Sonnenwinkel die schärfsten Ionosphärengradient erzeugt. Bedienung von VLF-Empfängern und Radionavigationsgeräten begegnen diesem Phänomen regelmäßig. Moderne digitale Betriebsarten und Schmalband-Empfangstechniken mildern den Effekt durch Unterdrückung von außerbandigem Rauschen etwas ab, können ihn jedoch nicht vollständig beseitigen.
Das Phänomen unterscheidet sich von anderen sonnenaufgangsrelativen Funkeffekten wie plötzlichen ionosphärischen Störungen oder Sonneneruptionsereignissen. Diese sind energetische Phänomene, die Minuten bis Stunden andauern und die KW-Ausbreitung weltweit beeinflussen. Der Morgengesang ist vorhersagbar, geografisch lokalisiert und wiederholt sich täglich am gleichen Ort. Funkbetreiber mit Langwellensystemen berücksichtigen diesen Effekt einfach in ihrem Betriebsplan und verlegen kritische Funkverkehre auf Tageszeiten, wenn die Ionosphäre stabiler ist.