Zehnkuppler
Englisch: decapod
Spitzname für die Dampflokomotiven der Bauart 0-10-0 oder 2-10-0.
Decapod: die zehnrädrige Güterlok, die die Schienen beherrschte
Ein Decapod ist eine Dampflokomotive mit zehn Triebachsen, angeordnet nach Whyte-Notation als 0-10-0 oder 2-10-0. Der Name stammt aus dem Griechischen: deca (zehn) und pod (Fuß), doch Eisenbahnmechaniker nannten sie einfach Zehnräder. Diese Maschinen erschienen Anfang der 1900er Jahre, als die Eisenbahnen schwerere Güterzüge und steilere Steigungen brauchten, als kleinere Lokomotiven bewältigen konnten.
Der 2-10-0-Decapod mit zwei vorderen Laufradsätzen und zehn Triebachsen wurde zur Standardausführung in Nordamerika. Die zusätzliche Länge und das Gewicht gaben ihm enorme Zugkraft, oft über 60.000 Pfund. Die 0-10-0-Anordnung ohne Laufradsätze war seltener und erschien hauptsächlich in Industriebahnen, wo engere Kurven möglich waren. Beide Typen brauchten erhebliche Wasser- und Kohlekapazität, deshalb wurden sie typischerweise mit großen Tenderaufbauten gekoppelt.
Decapods waren Meister bei schwerer Langsamfahrt: Erzzüge aus Bergwerken, Transporte durch Bergpässe und schwere Güterzüge in Bahnhöfen. Ihre zehn Triebräder verteilten die Last besser auf die Schiene als kleinere Lokomotiven, was Gleisschäden reduzierte und den Betrieb auf abgenutzten oder schwachen Gleisen ermöglichte. Schnell waren diese Maschinen nicht. Ein Decapod hielt unter Last 40-56 km/h, während eine leichtere Zehnräder-Lok 72 km/h schaffte.
Verschleiß und Grenzen
Der Hauptnachteil war die Beweglichkeit. Mit zehn am Rahmen fest verbundenen Rädern konnte ein Decapod enge Kurven nicht nehmen. Radien unter 90 Metern wurden problematisch, was den Einsatz auf Nebenbahnen und Industriegleisen beschränkte, wo ältere Speicherloks frei manövrieren konnten. Radschwingen war ein weiteres Problem: Das enorme Haftergewicht führte dazu, dass die Triebräder auf nassem oder öligem Gleis durchdrehten, besonders beim kräftigen Anfahren.
Decapods blieben bis in die 1950er Jahre im schweren Güter- und Rangierdienst, besonders auf Kohlebahnen und Bergstrecken im Westen. Ihre mechanische Einfachheit und bewährte Konstruktion machten sie leichter instandhaltbar als Compound- oder Gelenkdampfloks, doch die Anzahl der Lager und beweglichen Teile verlangte ständige Aufmerksamkeit. Mit der Dieselepoche wurden die meisten verschrottet, einige wenige überleben auf Museumsbahnen.