dezentrieren
Englisch: decentre
Von der Mitte entfernt anordnen; exzentrisch ausrichten.
Dezentrierung: Verschiebung eines optischen Elements von seiner optischen Achse
Eine optische Komponente zu dezentrieren bedeutet, sie seitlich oder axial von der optischen Achse eines Linsensystems oder Instruments zu verschieben. In der Präzisionsoptik wird diese Verschiebung in Bruchteilen eines Millimeters gemessen, erzeugt aber messbare Aberrationen und Versätze in der Bildposition. Dezentrierung tritt sowohl als bewusste konstruktive Entscheidung als auch als Fehler bei Montage oder Ausrichtung auf.
Absichtliche Dezentrierung dient optischen Spezialaufgaben. Prismenkombinationen werden dezentriert, um Lateralversatz des Bildes ohne Drehung des optischen Strahlengangs zu erreichen. Manche optische Systeme nutzen dezentrierte Elemente, um Feldwölbung auszugleichen oder gesteuerten Astigmatismus einzuführen. Bei der Brillenglasfertigung kompensiert Prismendezentrierung (gemessen in Diopter-Millimetern) die Anforderungen des Nahbereichs in Gleitsichtgläsern. Kameraobjektivkonstrukteure dezentrieren Elemente, um Koma und andere monochromatische Aberrationen zu beherrschen, die durch symmetrische Designs allein nicht korrigiert werden können.
Unbeabsichtigte Dezentrierung ist ein Montagefehler. Eine um 0,5 mm exzentrisch in einem Kameragehäuse montierte Linse führt zu einer Koma, die proportional zum Blendenöffnungsdurcmesser und zur Brennweite ist. In Präzisionsinstrumenten wie Mikroskopobjektiven oder Laseroptiken kann bereits eine Dezentrierung von 0,1 mm die Toleranz überschreiten. Die Messung der Elementposition relativ zur optischen Achse erfordert Vorrichtungen, Kollimatoren oder interferometrische Verfahren. Nach Feststellen wird die Dezentrierung durch Schimverstellung, Neupositionierung der Linsenfassung oder komplette Neumontage behoben.
Dezentrierung unterscheidet sich von einfacher Fehlausrichtung oder Neigung. Ein dezentriertes Element kann senkrecht zur optischen Achse stehen; es sitzt lediglich nicht mittig. Dieser Unterschied ist wichtig, weil die optischen Auswirkungen verschieden sind: Eine gekippte Linse führt zu Astigmatismus und ändert die Brennweite; eine dezentrierte Linse erzeugt Koma und Lateralversatz. Qualitätskontrollvorgaben für optische Baugruppen enthalten oft zulässige Dezentrierungsgrenzen zusammen mit Tilt- und Abstandstoleranzen.
Der Begriff erscheint regelmäßig in Objektivdesign-Software, in Toleranzkettenanalysen und in optischen Testberichten. Für optische Techniker und Ingenieure bedeutet das Verständnis von Dezentrierung den Unterschied zwischen einem optischen Leistungsproblem, das durch Neuausrichtung behebbar ist, und einem, das Komponentenaustausch erfordert.