Dial-around
Englisch: dial-around
Ein Telekommunikationsdienst, der internationale oder andere Ferngespräche über eine Zweitelnummer ermöglicht und damit die übliche Vermittlung umgeht und Kosten sparen kann.
Dial-Around: Umleitung zur Senkung von Ferngespräch-Kosten
Ein Dial-Around ist ein Telefon-Routingverfahren, bei dem der Anrufer eine Zugriffsnummer wählt (häufig eine lokale oder gebührenfreie Nummer), anstatt die Standardleitung seines primären Anbieters zu nutzen. Die Zugriffsnummer verbindet mit der Vermittlungsstelle eines alternativen Anbieters, der dann die Verbindung zum Zielruf herstellt. Dieses Verfahren wurde in den 1990er Jahren gebräuchlich, als die Ferngespräch-Tarife zwischen den Anbietern stark unterschieden, sodass Kunden Anrufe über günstigere Anbieter leiten konnten, ohne ihren Hauptvertrag zu ändern.
Die Funktionsweise ist unkompliziert: Der Anrufer wählt die Zugriffsnummer des alternativen Anbieters, wartet auf einen zweiten Freizeichen, dann wählt die Zielrufnummer. Frühe Dial-Around-Services erforderten die Eingabe einer PIN nach der Zugriffsnummer, obwohl dies bei gebührenfreien Zugriffsnummern oft optional war. Der Anruf wird über das Netz des alternativen Anbieters statt über die Ferngespräch-Leitungen des Standardanbieters geleitet, sodass Abrechnung und Qualität sich von normalen Anrufen unterscheiden können.
Kostenstruktur und Marktkontext
Dial-Around-Services florieren, wenn die regionalen Bell-Unternehmen und AT&T deutlich höhere Ferngespräch-Tarife als konkurrierende Anbieter verlangen. Ein Anrufer konnte bei Fernverkehrs-Anrufen 20 bis 40 Prozent sparen, besonders zu Zielen wie Mexiko oder Kanada. Die Praxis zwang etablierte Anbieter, ihre Tarife zur Konkurrenz zu senken. Viele Dial-Around-Anbieter rechneten pro Anruf ab (50 Cent bis 2 Dollar) oder boten Monatsabos an, spekulierend, dass die Ferngespräch-Ersparnis die Umständlichkeit eines zusätzlichen Wählvorgangs rechtfertigte.
Der Nachteil war Bequemlichkeit und Anrufqualität. Dial-Around addierte 5 bis 10 Sekunden Vorbereitungszeit pro Anruf. Einige Anbieter hatten Netzüberlastung oder Routing-Verzögerungen. Abrechnungsstreitigkeiten entstanden, wenn Kunden missverständen, welcher Anbieter für welchen Anruf die Rechnung stellte, besonders bei gemeinsam genutzten Leitungen. Anfang der 2000er Jahre reduzierten Pauschal-Tarife bei Mobilfunk und VoIP-Dienste den wirtschaftlichen Anreiz für Dial-Around, und die Praxis nahm stark ab.
Heute überlebt Dial-Around hauptsächlich in Nischenbereichen: Unternehmen mit hohem Anrufaufkommen zu bestimmten Regionen, Personen in Gegenden mit begrenzten Anbieter-Optionen und einige kommerzielle Calling-Card-Betreiber. Der Begriff selbst signalisiert eine Epoche, in der Anruf-Routing und Anbieter-Auswahl vom Kunden selbst verwaltet wurden, anstatt automatisch zu erfolgen, und in der die Kostendifferenzen zwischen Anbietern Routing-Entscheidungen wirtschaftlich bedeutsam machten.