Doppelgleis
Englisch: double track
Eisenbahn- oder Straßenbahnstrecke mit zwei parallelen Gleisen, von denen je eines in eine Richtung benutzt wird.
Doppelgleis: zwei Schienen, zwei Richtungen, volle Leistung
Doppelgleis, in manchen Zusammenhängen auch als Doppelspur bezeichnet, ist eine Eisenbahnanlage mit zwei parallel nebeneinander verlaufenden Schienen. Eine Schiene ist für den Verkehr in eine Richtung vorgesehen, die andere für die entgegengesetzte Richtung. Diese Anordnung ermöglicht es Zügen, gleichzeitig in beide Richtungen zu fahren, ohne dass es zu Konflikten kommt. Das ist anders als bei eingleisigen Strecken, wo der Verkehr durch Ausweichstellen oder Fahrpläne koordiniert werden muss. Jedes Gleis ist vollständig unabhängig mit eigenem Schotterbett, Schwellen und Signaltechnik.
Der Abstand zwischen den beiden Gleisen, die sogenannte Bauplanumsbreite, liegt je nach Eisenbahnunternehmen und örtliche Vorschriften zwischen 3,5 und 4,5 Metern. Die Innenkanten der Schienen sind üblicherweise etwa 3 Meter voneinander entfernt (gemessen Schiene zu Schiene), was ausreichend Platz für Streckenausrüstung, Zäune und Wartungszugang bietet. Elektrifizierte Doppelgleisanlagen erfordern entweder zwei separate Oberleitunsanlagen oder eine gemeinsame Fahrleitung, je nach Ausführung des Systems.
Leistung und Betriebsvorteile
Doppelgleis erhöht die Streckenleistung gegenüber eingleisigen Anlagen erheblich. Eine Personenverkehrsstrecke kann auf Doppelgleis 20 bis 30 Züge pro Richtung und Tag bewältigen, während eingleisige Strecken mit Ausweichstellen auf 10 bis 15 Züge pro Tag in beide Richtungen zusammen beschränkt sind. Güterbahnen nutzen Doppelgleis dort, wo die Mengen den Kapitaleinsatz rechtfertigen, typischerweise ab etwa 10 bis 15 Millionen Tonnen Frachtaufkommen jährlich. Die räumliche Trennung der Fahrtrichtungen vereinfacht auch die Signaltechnik und verringert den Bedarf an komplexer Stellwerkstechnik an jeder Kreuzung.
Der Ausbau von eingleisigen zu doppelgleisigen Strecken ist kostspielig. Erforderlich sind Grunderwerb, Erdbauarbeiten, Verlegung der Entwässerung und oft ein Neubau von Bahnübergängen. Viele Museumsbahnen und Regionalbahnen fahren mit eingleisigen Strecken mit Ausweichstellen, weil ein vollständiger Ausbau die verfügbaren Mittel übersteigen würde. Andererseits nutzen einige moderne U-Bahn-Systeme separate Tunnel für jede Fahrtrichtung statt eines Doppelgleises in einem Tunnel und erreichen damit ähnliche Betriebsvorteile mit anderen Ingenieurbaulösungen.
Häufige Schäden an Doppelgleisanlagen sind Riffelbindung (ein zyklisches Verschleißmuster), das sich an jeder Schiene eigenständig ausbildet und durch Schleifen oder Schienenaustausch behoben werden muss. Entwässerungsprobleme wirken sich auf beide Gleise gleichzeitig aus, wenn der Unterbau schlecht gepflegt ist. Die größere Grundfläche von Doppelgleisanlagen macht sie auch in tief liegenden Gebieten anfällig für Überflutungen, da das Wasser über eine breitere Böschung ablaufen muss.