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Fertigung

Drawboy

Englisch: drawboy

Junge, der die Zugschnüre eines Litzengatterers bedient

Drawboy: das Kind, das die Musterfäden des Webstuhls zog

Ein Drawboy war ein Kind, das oberhalb oder neben einem Drawloom saß und manuell die Zugseile der Vorrichtung bediente, um in Folge bestimmte Kettfäden zu heben und zu senken. Der Drawloom, eine frühe Form des programmierbaren Webstuhls, nutzte ein System aus Haken, Seilen und einer gelochten Karte oder Papierrolle, um festzulegen, welche Fäden bei jedem Schussschlag angehoben werden sollten. Die Aufgabe des Drawboy bestand darin, die Musterkarte (oft Draft genannt) zu lesen und die richtigen Seile im genauen Moment zu ziehen, wenn der Weber das Schiffchen warf, um das mechanische Gedächtnis des Designs auszuführen.

Dies war qualifizierte Kinderarbeit, keine ungelernte Tätigkeit. Ein Drawboy musste Timing, räumliches Gedächtnis und Handkoordination entwickeln. Die Arbeit erfolgte im schnellen Tempo, oft wurden 5 bis 10 Seile in rascher Folge für komplexe Muster gezogen. Die Rolle erforderte stundenlange Konzentration; ein falsch getimter Zug würde einen fehlausgerichteten Musterfaden erzeugen, der einen sichtbaren Fehler im Stoff verursachte, der mehrere Zentimeter des Gewebes umfassen konnte. In europäischen Werkstätten absolvierte ein Drawboy typischerweise eine Lehre vom 8. bis zum 14. Lebensjahr, wobei er neben erfahrenen Webern arbeitete, die ihn in der Musterinterpretation schulten.

Das Drawboy-System entstand im 16. Jahrhundert, als Seidenwebereien in Italien und Frankreich zunehmend aufwändiger gestaltete Brokat- und Damastgewebe herstellten. Das System hielt sich bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, besonders in Handwebereiwerkstätten, die hochwertige gemusterte Stoffe produzierten. Ein einzelner Drawloom beschäftigte je nach Musterdichte und Webbreite einen oder zwei Drawboys. Fabrikseidenwebereien in den 1800er Jahren beschäftigten Drawboys weiterhin, obwohl mechanische Vorrichtungswebstühle das System in der Baumwoll- und Wollproduktion allmählich ablösten.

Der Beruf verschwand mit der Erfindung des Jacquardwebstuhls um 1804 nahezu völlig, der die manuelle Seilbedienung durch ein mechanisches System mit Lochkarten ersetzte. Allerdings blieben Drawboys für bestimmte Handwebereiarbeiten und Spezialgewebe bis ins 20. Jahrhundert hinein notwendig, besonders bei der Erhaltung von Textilhandwerk und in der hochwertigen Seidenproduktion. Ihre Abwesenheit in modernen mechanisierten Fabriken markiert einen der saubereren Übergänge der Industriegeschichte, in denen Kinderarbeit technologisch ersetzt wurde, obwohl der Übergang Jahrzehnte dauerte.

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