duktiler Bruch
Englisch: ductile fracture
Bruchform mit plastischer Verformung und duktiler Ruptur.
Zähbruch: wenn Metall sich verformt, bevor es bricht
Ein Zähbruch tritt auf, wenn sich ein Werkstoff über eine erhebliche Strecke plastisch verformt, bevor er schließlich trennt. Anders als beim Sprödbruch, der plötzlich ohne Vorwarnung eintritt, wird der Zähbruch durch sichtbare Einschnürungen eingeleitet, bei denen sich der Querschnitt des Materials beim Ziehen oder Biegen schrittweise verjüngt. Der Werkstoff nimmt durch diese plastische Verformung Energie auf, was ihm auf der Bruchfläche ein mattes, faseriges Aussehen verleiht, statt des glatten, glasartigen Charakters eines Sprödbruchs.
Der Mechanismus beinhaltet die Keimbildung und das Wachstum von Mikroporen in der Mikrostruktur des Materials. Mit zunehmender Spannung wachsen diese Poren und verschmelzen entlang einer Ebene maximaler Scherspannung, bis sie sich schließlich zu einem Makroriss verbinden. Dieser Prozess erfordert, dass die Atomstruktur des Materials Versetzungsbewegungen ermöglicht, weshalb Zähbruch typisch für Metalle mit guten Gleitebenen ist, wie Baustahl, Aluminium und Kupferlegierungen bei Raumtemperatur. Die Menge der plastischen Verformung vor dem Versagen wird durch die Bruchdehnung oder die Querschnittsabnahme quantifiziert.
Zähbruch in der Praxis erkennen
Bei einer Zugprobe wird Zähbruch durch ein Kelch-Zapfen-Muster gekennzeichnet, wobei die äußeren Kanten zuerst durch Scherung versagen (bilden einen 45-Grad-Zapfen) und die Mitte in einem komplexeren Modus reißt. Metallurgisch betrachtet zeigt die Bruchfläche unter dem Rasterelektronenmikroskop eine charakteristische Grübchentextur, wobei jede Grube einer Mikropore entspricht. In dickeren Bereichen oder unter mehrachsiger Behinderung kann der Bruch flacher und scherungsorientiert wirken; in dünneren Bereichen wird er rauer.
Temperatur und Deformationsgeschwindigkeit beeinflussen maßgeblich, ob ein Material zäh oder spröde bricht. Die meisten kubisch-flächenzentrierten Metalle bleiben über einen breiten Temperaturbereich zäh, während kubisch-raumzentrierte Metalle wie Baustahl eine scharfe Sprödbruchübergangstemperatur zeigen, typischerweise zwischen -50 und 0 Grad Celsius. Hexagonal dichtgepackte Metalle können bei Raumtemperatur spröde sein, es sei denn, sie werden sorgfältig behandelt. Die Deformationsgeschwindigkeit spielt ebenfalls eine Rolle: Je schneller die Last aufgebracht wird, desto weniger Zeit hat der Werkstoff für plastische Verformung, was das Verhalten in Richtung Sprödheit verschiebt.
In der Konstruktion und im Maschinenbau wird Zähbruch oft dem Sprödbruch vorgezogen, weil die vorherige plastische Verformung eine Vorwarnung und Gelegenheit zur Lastumverteilung bietet. Das Versagen ist nicht katastrophal, sondern verläuft allmählich, was Erkennung und Eingriff ermöglicht. Allerdings erzeugt die Beziehung zwischen Zähigkeit und anderen Eigenschaften wie Festigkeit und Verschleißfestigkeit Kompromisse; eine Erhöhung der Zähigkeit bedeutet oft, geringere Härte oder Streckgrenze zu akzeptieren. Die Wahl der Werkstoffsorte, Wärmebehandlung und Geometrie muss den Bedarf für zähes Verhalten mit Leistungsanforderungen im Einsatz ausgleichen.