Duktor
Englisch: ductor
Vorrichtung, meist in Form einer oszillierenden Walze, die Farbe von einer Quelle auf die Farbwalzengruppe in kontrollierter Weise überträgt.
Duktor: das Schleusentor zwischen Tintenvorrat und Druckmaschine
Ein Duktor ist eine oszillierende Walze im Tintensystem einer Offset- oder Druckmaschine. Seine Aufgabe ist es, Tinte aus einer stationären Farbwerkwalze auf die rotierenden Verteilwalzen zu dosieren und dabei sowohl die Menge als auch die Häufigkeit der Tintenabgabe zu kontrollieren. Bei einer typischen Maschine schwingt der Duktor in einem mechanischen Zyklus hin und her, taucht auf einem Hub in das Farbwerk ein und wischt auf dem Rückhub über die erste Verteilwalze, um dann wieder freizugeben. Dieser unterbrochene Kontakt verhindert ein Überfluten der Walzen mit zu viel Tinte und gewährleistet gleichzeitig eine konstante Tintenschichtdicke auf dem Druckform.
Der Duktor wird durch einen Nockenwellen-Mechanismus angetrieben, der seine Oszillation mit dem Hauptzyklus der Maschine synchronisiert. Bei älteren Maschinen wurden Timing und Hubweg durch Verstellen der Position einer Exzenterkurve oder des Duktor-Arms eingestellt. Moderne Maschinen ermöglichen die Einstellung sowohl des Duktor-Hubwegs (Bewegungsstrecke) als auch seiner Frequenz (wie oft pro Maschinenumdrehung er das Farbwerk berührt). Der Duktor hat üblicherweise eine Gummi- oder Kunststoffbeschichtung wie andere Druckwalzen und muss enge Toleranzen einhalten, um zuverlässig zu funktionieren.
Tintenkontrolle und Maschinenstabilität
Der Duktor ist entscheidend, weil Offset- und Druckmaschinen-Tintensysteme eine präzise Tintenschichtdicke erfordern, die üblicherweise in Mikrometer gemessen wird. Eine zu hohe Tintenabgabe führt zu schwere, trüben Drucken und verursacht Tintenablagerungen auf drucklosen Flächen; eine zu geringe führt zu schwachem Farbton und Abdeckungsproblemen. Die Oszillationsbewegung des Duktors erzeugt eine Dosierungswirkung: Bei jedem Hub gibt er eine kleine, kontrollierte Menge Tinte auf die Verteilwalzen ab, die diese dann mischen und durch das restliche Farbwerk transportieren. Die Einstellung der Duktor-Hubweite ist eine der Hauptmöglichkeiten, wie Maschinenführer den Tintenfluss während eines Druckauftrags regeln.
Probleme mit dem Duktor reichen von mechanischen bis zu chemischen Ursachen. Ein Duktor kann aussetzen oder festklemmen, wenn das Gestänge verschlissen ist oder die Nockenwelle sich versetzt hat, was zu ungleichmäßiger Tintenabgabe führt. Die Walzenbeschichtung des Duktors kann durch längeren Kontakt mit bestimmten Tintentypen oder unzureichende Reinigung zwischen Aufträgen glazieren (verhärten und die Griffigkeit verlieren), was seine Fähigkeit beeinträchtigt, Tinte sauber aufzunehmen. Tintansammlungen auf den Oberseiten des Duktors können verhärten und auf das Druckprodukt abblättern. Regelmäßige Reinigung mit geeigneten Lösungsmitteln und Überprüfung des mechanischen Spiels sind wesentliche Wartungsaufgaben.
Der Begriff Duktor stammt vom lateinischen ducere (führen oder leiten) und spiegelt seine Rolle wider, Tinte in dosierten Mengen ins Drucksystem zu leiten. Obwohl der Duktor selbst ein einfaches Bauteil ist, ist seine ordnungsgemäße Funktion untrennbar mit der Stabilität des Farbregisters und der Druckqualität der Maschine verbunden.