Dwell
Englisch: dwell
Absichtliche Verzögerung in einem zeitgesteuerten Steuerungsprogramm
Verweilzeit: die Pause, die das Timing funktionsfähig macht
In der Stromerzeugung und Verteilung ist die Verweilzeit das Zeitintervall, während dem ein Steuersystem ein Ventil, einen Schalter oder eine Spule in einem bestimmten Zustand hält, bevor es diese freigibt oder zum nächsten Schritt übergeht. Es handelt sich um eine bewusst eingefügte Pause in einer automatisierten Abfolge, nicht um einen Fehler oder eine Verzögerung. Die Verweilzeit verhindert mechanische Schocks, ermöglicht den Druckausgleich oder stellt sicher, dass eine vorherige Aktion vollständig abgeschlossen ist, bevor die nächste beginnt.
Die Verweilzeit tritt am häufigsten in Dampfturbinen-Steuersystemen auf, wo sie das Öffnen von Drosselventilen um Hunderte von Millisekunden nach Ankunft eines Steuersignals verzögern kann. In Speisewassersystemen von Kesseln kann die Verweilzeit ein Pumpenauslassventil lange genug geschlossen halten, bis sich der Gegendruck ausgeglichen hat, wodurch Wasserschlag und Kavitationsschäden reduziert werden. Brennstoffregelsysteme von Gasturbinen nutzen die Verweilzeit, um Brennstoffmessprozesse zu trennen und so Druckspitzen zu vermeiden, die die Verbrennung stören. Die Dauer wird vom Konstrukteur festgelegt und ist oft während der Inbetriebnahme einstellbar.
Warum Verweilzeit in der Praxis wichtig ist
Ohne Verweilzeit können solenoidbetätigte Wegeventile bei Schaltvorgängen flattern oder jaulen, was zu Schwingungen und Lärm führt. In pneumatischen oder hydraulischen Pilot-Steuersystemen verhindert eine Verweilzeit zwischen Pilot-Druckabbau und Rückgang der Schubstange, dass die Schubstange zu hart auf ihren Anschlag trifft, was den Verschleiß beschleunigt und Druckspitzen erzeugt. Moderne SPS-Systeme setzen die Verweilzeit als Timer-Befehl um; ältere Relaislogik nutzte mechanische Zeitverzögerungsrelais oder fest dimensionierte RC-Netzwerke.
Der Begriff stammt von derselben Wurzel wie "verweilen", was bedeutet, an einem Ort bleiben oder verharren. In Zündanlagen bedeutete Verweilzeit traditionell den Winkel in Kurbelwellengradmaß, während dem die Kontaktpunkte des Unterbrechers geschlossen blieben, um der Zündspule den Aufbau magnetischer Energie zu ermöglichen. Diese ältere Bedeutung war zeitunabhängig; moderne elektronische Steuersysteme messen die Verweilzeit stattdessen in Millisekunden. Der Begriff hat sich in der Prozessleittechnik allgemeiner durchgesetzt.
Die Verweilzeit muss von der Totzeit unterschieden werden, der reinen Transportverzögerung in einem System, die durch das Design nicht reduziert werden kann. Die Verweilzeit ist bewusst gewählt und typischerweise kurz, im Bereich von Zehntel bis niedrige Hunderte von Millisekunden. Sie wird während der Inbetriebnahme festgelegt und in der Steuerlogik dokumentiert. Bei der Fehlerbehebung träger Ventilreaktionen oder erratischer Spulenbetätigung gehört die Überprüfung der Verweilzeitabstimmung oft zu den ersten Schritten.