Dwell time
Englisch: dwell time
Zeitspanne, während der sich ein Gegenstand oder eine Person in einem bestimmten Zustand befindet
Verweilzeit: wie lange ein Schalter geschlossen bleibt
In der Elektrotechnik ist die Verweilzeit das Zeitintervall, während dessen ein Schaltkontakt oder Halbleiter geschlossen, stromleitend oder aktiv ist. In Zündsystemen misst sie, wie lange der Primärkreis der Zündspule erregt wird, bevor die Zündkerze zündet. In Schaltanwendungen beschreibt sie die Dauer, während der ein Relais oder Transistor seinen leitenden Zustand beibehält. Der Begriff ist entscheidend, weil er direkt die Energieabgabe, Wärmeerzeugung und das Timing nachgelagerter Ereignisse in einem Stromkreis beeinflusst.
Automobil-Zündsysteme sind stark auf die Verweilzeit angewiesen, um ausreichend magnetischen Fluss in der Spule aufzubauen. Ist die Verweilzeit zu kurz, lädt sich die Spule nicht vollständig auf und schwächt den Funken; ist sie zu lang, überhitzt sich der Transistor oder Kontaktpunkt und fällt vorzeitig aus. Bei mechanischen Unterbrecher- und Kondensatorsystemen wurde die Verweilzeit in Kurbelwellengrab gemessen, typischerweise 45 bis 55 Grad im Leerlauf. Elektronische Zündsysteme ermöglichen eine präzise Verweilzeitkontrolle, oft einstellbar von 3 bis 10 Millisekunden je nach Motordrehzahl und Spulenauslegung. Einige moderne Systeme variieren die Verweilzeit dynamisch basierend auf Batteriespannung und Last.
Verweilzeit tritt überall dort auf, wo Zeitpräzision wichtig ist. Bei MOSFET-Gate-Treibern beschreibt sie, wie lange das Gate-Signal den Transistor in Sättigung hält. In speicherprogrammierten Steuerungen kann sie die Zeit bedeuten, während der ein Solenoid während eines Zyklus erregt bleibt. Bei Ultraschallprüfung und gepultem Radar ist Verweilzeit, wie lange ein Sender aktiv bleibt, bevor Reflexionen gemessen werden. Das Konzept ist dasselbe: Kontaktschluss oder Signaldauer, gemessen gegen eine bekannte Zeitreferenz.
Der Name stammt vom Verb "verweilen", was bedeutet zu bleiben oder zu verharren. Er gelangte natürlich in die elektrotechnische Fachsprache, als Ingenieure einen Begriff für "wie lange das Ding eingeschaltet bleibt" brauchten. Anders als Begriffe wie "Arbeitszyklus" oder "Impulsbreite" betont Verweilzeit die Dauer kontinuierlicher Aktivität statt eines Verhältnisses oder Modulationsmusters. In der Praxis messen Maschinisten und Techniker die Verweilzeit mit einem Ohmmeter an Zündunterbrecher, einer Stroboskop-Leuchte mit Verweilzeit-Funktion oder einem Oszilloskop, um die tatsächliche Kontaktschlussdauer zu erfassen.
Übermäßige Verweilzeit erzeugt Wärme; unzureichende Verweilzeit hungert die Last um die Zeit aus, zu reagieren. Zündaussetzer, Startschwierigkeiten oder Solenoid-Chattern lassen sich oft auf Verweilzeiteinstellungen oder das Stromkreiselement zurückführen, das für ihre Kontrolle verantwortlich ist. In digitalen Systemen muss die Verweilzeit Signallaufzeit, Kontaktprellen und thermische Reaktion des gesteuerten Geräts berücksichtigen. Moderne Motorsteuerungssysteme protokollieren die Verweilzeit neben Zündwinkel und Kraftstoffeinspritzdauer als grundlegende Abstimmungsparameter.