Geothermie
Englisch: geothermy
Verfahren und Praxis der Nutzung von Wärmeenergie aus dem Erdinnern als Energiequelle.
Geothermie: Nutzung der inneren Erdwärme zur Stromerzeugung und Wärmeversorgung
Geothermie ist die Gewinnung und Nutzung von Wärmenergie aus der Erdkruste zur Stromerzeugung oder Wärmebereitstellung. Das Verfahren macht sich zunutze, dass die Temperatur mit der Tiefe ansteigt, typischerweise um 25 bis 30 Grad Celsius pro Kilometer Tiefe. In geothermisch aktiven Regionen können heiße Gesteinsschichten und Dampfvorkommen in erreichbaren Tiefen (oft 1 bis 3 Kilometer) wie Ölbohrungen erschlossen werden und liefern eine zuverlässige, unterbrechungsfreie Energiequelle.
Es gibt zwei breite Anwendungsgebiete. In Geothermiekraftwerken treibt druckbeaufschlagtes heißes Wasser oder Dampf Turbinen an, die mit Generatoren verbunden sind und Strom in Leistungen von wenigen bis über 100 Megawatt pro Anlage erzeugen. Direktnutzungssysteme pumpen heißes Wasser zu Gebäuden und Industrieanlagen für Raumheizung, landwirtschaftliche Gewächshausbeheizung und Prozesswärme ohne den Umweg über Stromerzeugung. Direktnutzungsanwendungen sind deutlich effizienter, da sie thermodynamische Verluste des Dampfkreisprozesses vermeiden.
Ressourcentypen und Produktionsmechanik
Der Nutzen der Geothermie hängt stark von der lokalen Geologie ab. Hochenthalpie-Vorkommen, typischerweise in tektonisch aktiven Zonen (Island, Neuseeland, Indonesien, Philippinen, westliche USA) anzutreffen, enthalten Dampf oder Wasser über 150 Grad Celsius und ermöglichen Stromerzeugung. Mitteltemperatur-Felder (100 bis 150 Grad Celsius) können in Binär-Kraftwerken betrieben werden, wo das Geothermiefluid eine Sekundärflüssigkeit mit niedrigerem Siedepunkt erhitzt und damit Stromerzeugung aus kühleren Lagerstätten ermöglicht. Niedertemperatur-Vorkommen unter 100 Grad Celsius eignen sich nur für Direktheizung und Wärmepumpenanwendungen.
Bohr- und Fertigstellungsmethoden entsprechen der Erdölgewinnung: Erkundungsbohrungen mit kleinerem Durchmesser (typischerweise 10 bis 25 Zentimeter) bestimmen Temperatur- und Druckprofile, gefolgt von größeren Förderbohrungen (bis 35 Zentimeter Durchmesser), die 2 bis 4 Kilometer vertikal oder geneigt eindringen. Rohrverstätzung und Zementierung verhindern Strömung zwischen Wärmezonen und schützen Süßwasserschichten. Viele Felder arbeiten als Doppelbrunnen oder Netzwerke, bei denen ein Brunnen heißes Fluid fördert und ein anderer die gekühlte Rückkehr einpresst, um Druck und Temperatur über Jahrzehnte der Nutzung aufrechtzuerhalten.
Ein kritisches Problem bei Geothermieanlagen ist die Lagerstättenauskühlung und ausgelöste Seismizität. Kontinuierliche Entnahme kühlt das Gesteinsgestein ab; Reinjektion erhält die Produktivität, kann aber kleine Erdbeben auslösen, wenn der Fluiddruck in geschlossenen Zonen schnell ansteigt. Ablagerungen (Mineralausfällungen an Rohrwänden und Wärmetauscherflächen) verstopfen Systeme, besonders bei hochsalzigen oder hochsilizium-haltigen Laugen. Betreiber begegnen diesem durch sorgfältige Fluidchemie-Kontrolle, optimale Brunnenbachstände und Injektionstemperaturvorgaben. Der Begriff Geothermie umfasst sowohl das geologische Phänomen als auch die Ingenieurdisziplin zu seiner zuverlässigen Nutzung.