Jud
Englisch: jud
Kohlemasse, die durch Untergraben so vorbereitet wird, dass sie durch Keile zum Absturz gebracht werden kann.
jud: Kohleflöz zum Absturz bereit mit Keil
Ein Jud ist ein Kohleflöz-Abschnitt, der absichtlich an der Basis untergraben und geschwächt wurde und so aufgehängt ist, bis er beim Schlag mit einem Keil zusammenbricht. Das Kohleflöz wird unter dem Hauptflöz ausgehöhlt, wodurch ein Überstand entsteht, der nur durch das Gewicht der darüber liegenden Kohle gehalten wird. Wenn ein Bergmann Keile in den ausgehöhlten Hohlraum treibt, bricht der Jud frei und fällt auf den Grubenboden, wobei er während des Sturzes in handliche Stücke zerfällt.
Die Praxis entstand aus den physikalischen Zwängen des Handabbaus, bei dem Sprengstoff entweder nicht verfügbar war, in gasreichen Flözen gefährlich oder in bestimmten Bergwerken verboten war. Das Untergraben eines Jud ermöglichte es Bergleuten, Kohle ohne Sprengarbeit zu fördern, was in gasreichen Gruben sicherer und unter bestimmten Bedingungen schneller war, als auf Zünder zu warten oder mit Schießpulverladungen umzugehen. Das Verfahren erforderte Geschick: Das Untergraben musste tief genug sein, um das Flöz zu schwächen, aber nicht so tief, dass es zu vorzeitigem Einsturz oder zum Festklemmen von Werkzeugen führte.
Juds variierten in der Größe je nach Kohlemächtigkeit und Flözfestigkeit. Dünne Flöze konnten Juds nur wenige Meter im Durchmesser ergeben, während dickere Flöze Juds von 10 bis 15 Metern oder mehr lieferten. Die Tiefe des Untergrabens war entscheidend, typischerweise 3 bis 4 Meter ins Flöz hinein. Unzureichendes Untergraben ließ den Jud oft prekär hängend zurück oder ermöglichte keine saubere Trennung, was zusätzliche Arbeit erforderte oder Sicherheitsrisiken schuf, wenn Bergleute ihre Position neu einnehmen mussten, um weitere Keile zu treiben.
Der Begriff taucht am häufigsten in Aufzeichnungen aus britischen Bergwerken und historischen Bergbauberichten auf. Er spiegelt die Sprache der praktischen Grubenarbeit wider und nicht formale Ingenieursprache. Die Verwendung des Begriffs nahm ab, als mechanische Schneid- und motorisierte Förderverfahren zum Standard wurden. Heute lebt das Wort hauptsächlich in historischen Bergbautexten und in regionalen Diskussionen zum Bergbauerbe weiter, doch das zugrundeliegende Prinzip der Schwächung von Kohle durch Untergraben vor dem Bruch bleibt für moderne Lastkontrollmethoden im Untertagebau relevant.