Netlist
Englisch: netlist
Technische Beschreibung der Verbindungen in einem elektronischen Schaltungsdesign.
Netlist: Schaltungsverkabelung in Textform
Eine Netlist ist eine textbasierte Aufzeichnung darüber, welche Komponenten in einer Schaltung oder einem Stromsystem miteinander verbunden sind und wie. Sie dient als maschinenlesbarer Plan der elektrischen Verbindungen, unabhängig vom physischen Layout oder visuellen Schaltplan. In der Stromerzeugung und -verteilung definiert eine Netlist Sammelschienverbindungen, Generatorklemmen, Transformatorwicklungen und Endpunkte von Übertragungsleitungen. In der Elektronikentwicklung erfasst sie, welche Anschlüsse welcher Komponenten miteinander verlötet sind.
Netlists gibt es in mehreren Standardformaten. SPICE-Netlists, benannt nach dem Schaltungssimulator, verwenden eine Syntax mit einer Verbindung pro Zeile, mit Knotennamen und Komponentenbezeichnungen. Für Stromversorgungssysteme drückt das Common Information Model (CIM) die Topologie in XML aus. Design-Tools wie CAD-Programme exportieren proprietäre Formate, müssen aber auch Industrie-Standardformate ausgeben, damit andere Software die Entwürfe lesen und simulieren kann. Die Netlist ist das Bindeglied zwischen Schaltplan-Erfassung, Layout, Fertigungsdaten und Simulationstools.
Warum Netlists für Betrieb und Fehlersuche wichtig sind
In Versorgungsunternehmen und Industrieanlagen ist die Netlist die maßgebliche Quelle für die Verbindungen. Sie beantwortet Fragen: Ist diese Sammelschiene mit beiden Transformatoren oder nur einem verbunden? Ist dieser Stromkreisabzweig während der Wartungsisolierung stromführend? Welchen Weg nimmt der Fehlerstrom durch die Schaltanlage? Ein Unterschied zwischen Netlist und physischer Realität ist gefährlich; aufgeschobene Aktualisierungen nach Feldänderungen führen zu Blindstellen für Schutzingenieure und Feldelektriker. Viele Probleme bei der Schutzkoordinierung gehen auf Netlist-Fehler zurück, nicht auf Hardware-Ausfälle.
Netlists treiben auch Simulationssoftware an, die für Lastflussanalyse, Fehlerberechnung und Stabilitätsanalyse verwendet wird. Fehlerhafte Verbindungen in der Netlist führen zu nutzlosen, sogar irreführenden Ergebnissen. Validierung ist daher entscheidend: automatisierte Kontrollen erkennen freigestellte Knoten (Komponenten ohne Verbindungspfad), falsch gepolte Verbindungen und fehlende Komponenten, die zwar laufen würden, aber Phantom-Schaltungen erzeugen.
Der Begriff "Netlist" stammt aus seinem Ursprung in der Schaltungssimulation; "Net" bedeutet einen elektrischen Knoten oder Leiter, und "List" ist seine Struktur. Obwohl in der Elektronik entstanden, hat sich der Begriff in der Stromversorgungstechnik verbreitet, weil das Bedürfnis identisch ist: eine verbindliche, nachverfolgbare, maschinenlesbare Aufzeichnung der Topologie, die über den Ingenieur hinaus Bestand hat, der sie gezeichnet hat.