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Textiltechnik

Neuseeländische Baumwolle

Englisch: New Zealand cotton

Eine Faser aus dem Bast des Plagianthus betulinus, die Baumwolle ähnelt.

Neuseeland-Baumwolle: Bastfaser, die echte Baumwolle imitiert

Neuseeland-Baumwolle ist eine Bastfaser, die aus der Innenrinde von Plagianthus betulinus gewonnen wird, einem in Neuseeland heimischen Strauch. Im Gegensatz zu echter Baumwolle, die aus Samenkapseln stammt, verläuft diese Faser entlang des Pflanzenstammes im Holzgewebe. Die entstehenden Filamente sind grob, relativ kurz (typischerweise 10 bis 30 Millimeter) und im Rohzustand gelbbraun. Frühe europäische Siedler und die Maori nutzten diese Faser für Schnur, Seil und grobe Stoffe, da der Baumwollanbau im neuseeländischen Klima unpraktisch war.

Die Faser ähnelt Baumwolle optisch und in einigen Verarbeitungseigenschaften, unterscheidet sich aber chemisch und mechanisch. Sie enthält einen höheren Ligningehalt als Baumwolle, was sie steifer macht und für die Feinweberei weniger geeignet. Die Farbe bleicht nicht leicht zu der weißen Helligkeit, die Baumwolle erreicht. Die Verarbeitung erfordert Röstung, Klopfen und Kämmen, um verwertbare Fasern vom holzigen Kern zu trennen, ähnlich wie bei Flachs- oder Hanfaufbereitung statt Baumwollentkörnimg.

Historischer und praktischer Kontext

Neuseeland-Baumwolle wurde begrenzt, aber tatsächlich in der Industrie verwendet, besonders im 19. und frühen 20. Jahrhundert, besonders für grobe Textilien, Verpackungsstoffe und Kordage. Die Produktion sank nach 1920 stark ab, als billige importierte Baumwolle und synthetische Fasern die Commonwealth-Märkte überfluteten. Heute findet sie sich fast ausschließlich in der Erhaltungstextilarbeit und in kleinmaßstäblichen handwerklichen Anwendungen, oft unter kolonialen oder botanischen Bezeichnungen vermarktet.

Die Pflanze selbst ist robust und schnellwüchsig, was die Faser zunächst attraktiv machte. Jedoch führten die schlechten Spinncharakteristiken kurzer Fasern, Schwierigkeiten beim Erreichen feiner Nummern und arbeitsintensive Verarbeitung dazu, dass sie sich gegen etablierte Alternativen nie wirksam durchsetzte. Moderne Textilhersteller haben keinen kommerziellen Grund, sie wiederzubeleben, obwohl Schutzbemühungen und historische Forschung das Wissen um die Faser in neuseeländischen Handwerksgemeinden lebendig gehalten haben.

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